Vom Greifen zum Begreifen – Entwicklungsförderung durch Bewegung

Vom Greifen zum Begreifen – Entwicklungsförderung durch Bewegung

Ein Kooperationsprojekt der nifbe-Forschungsstelle mit der Universität Osnabrück, gefördert durch das Niedersächsische Sozialministerium

Projektleitung:

  • Prof. Dr. Renate Zimmer

Projektmitarbeiterin:

  • M.A. Sportwiss. Mareike Sandhaus (Drittmittelprojekt)

Das vom Niedersächsischen Sozialministerium geförderte Modellprojekt „Vom Greifen zum Begreifen – Entwicklungsförderung durch Bewegung“ wurde im Zeitraum vom 01.10.2007 bis 31.12.2009 durchgeführt und hatte die Weiterbildung von Tagespflegepersonen zum Ziel. In der Fortbildungsreihe wurden Themen der frühkindlichen Entwicklung und ihrer Anregungs- und Fördermöglichkeiten durch Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen unter Berücksichtigung der besonderen Situation der Tagespflege behandelt. Sowohl die Ausbildung von Multiplikatoren als auch die daran anschließende Weiterbildung von Tagespflegepersonen durch die Multiplikatoren wurden im Rahmen dieses Projektes evaluiert.

Das Projekt wurde im Jahr 2009 fortgesetzt, um eine weitere Begleitung der Multiplikatorinnen zu gewährleisten. Die Projektmitarbeiterin fungierte in dieser Phase als Ansprechpartnerin und Vermittlerin bei Anfragen für Referentinnen im Setting Tagespflege. Des Weiteren erfolgten weitere Fortbildungs- bzw. Reflexionstreffen für die Multiplikatorinnen sowie die Evaluation der Inhalte und Methoden der Fortbildungsmaßnahme durch Auswertung von Fragebögen. Den Schwerpunkt dieser Projektphase bildete die Erstellung eines Fortbildungshandbuches „Entwicklungsförderung durch Bewegung“, das zukünftig, aufbauend auf der DJI-Grundqualifikation, als Möglichkeit für eine Weiterqualifizierung in der Tagespflege Verwendung finden soll.

Das Curriculum hat zum Ziel, die Fortbildungen in ihrer Qualität zu standardisieren und einheitliche Bedingungen zu schaffen. Es ist inhaltlich in fünf einzelne Module mit verschiedenen Themenschwerpunkten gegliedert, die jeweils als Tagesfortbildung belegt werden können. Somit ist es für die Tagespflegepersonen möglich, flexibel zu agieren und sich die einzelnen Termine zusammenzustellen bzw. Institutionen auszuwählen (Familienbildungsstätten, Kinder- und Familienservicebüros, Tagesmütterverein) und einzelne Komponenten als Tagesfortbildung zu buchen. Die Module können getrennt, aber auch als fortlaufende Weiterqualifizierungsmaßnahme angeboten werden. Jedes Modul umfasst acht Fortbildungsstunden (Unterrichtseinheiten). Die Weiterqualifizierung im Bereich Bewegung ist somit auf 40 Unterrichtseinheiten (5 x 8 Unterrichtsstunden) ausgelegt.

Module

  1. Körpererfahrungen als Grundlage von Selbstbildungsprozessen
  2. Wahrnehmungsförderung in der frühen Kindheit
  3. „Bewegte“ Räume und „bewegendes“ Material in der Tagespflege
  4. Spielerische Bewegungsangebote für unterschiedliche Förderperspektiven
  5. Bewegungsbeobachtung

Neben einer theoretischen Einführung, in der der Stellenwert von Bewegung für Kinder in den ersten Jahren herausgestellt sowie grundlegende Aspekte der motorischen Entwicklung von 0 bis 3 Jahren dargelegt werden, folgt ein anwendungsorientierter Teil, in dem zunächst kurz das jeweilige Modulthema theoretisch eingeführt und anschließend als Fortbildungseinheit exemplarisch vorgestellt wird. Des Weiteren sind viele Literatur- und Praxisempfehlungen in den einzelnen Modulen zu finden.

Die Weiterqualifizierung von Tagespflegepersonen wird derzeit von einem Teil der Multiplikatorinnen des Projektes weiterhin durchgeführt. Da jedoch eine überregionale Verbreitung angestrebt wird, sollen weiterhin Bewegungstherapeut/innen, Sportlehrer/innen oder Motopäd/innen, die über Erfahrungen im Elementarbereich verfügen, die Fortbildungen für Tagespflegepersonen übernehmen.

 

Fazit

Das Projekt ist im Hinblick auf die Möglichkeiten der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren als positiv zu bewerten. Die fortwährende Nachfrage an Referentinnen für Maßnahmen in der Weiterbildung von Tagespflegepersonen auf der einen Seite und die zunehmende Anzahl von Kindern unter 3 Jahren in außerfamiliären Betreuungen auf der anderen Seite verdeutlichten den Bedarf, aber auch die Lücke im Bereich der Weiterqualifizierung von Tagespflegepersonen.

Das Modellprojekt konnte erfolgreich an diesen Punkt anknüpfen, indem zum einen 21 Multiplikatorinnen speziell für die Weiterbildung von Tagespflegepersonen zum Thema „Bewegungsförderung von Kindern unter 3 Jahren“ ausgebildet wurden, die weiterhin als Referentinnen zu dieser Thematik zur Verfügung stehen. Zum anderen stellt das Curriculum ein geeignetes Instrument dar zur Förderung einer einheitlichen Weiterqualifizierung, so dass die bestehende Lücke ein wenig geschlossen werden kann. Sowohl qualitativ als auch quantitativ kann dadurch die Betreuung im nichtinstitutionalisierten Setting wie dem der Tagespflege erweitert, standardisiert und verbessert werden.