Geschlechtsspezifische Körper- und Bewegungssozialisation in der frühen Kindheit

 

Bewegungsaktivitäten haben im Kontext der geschlechtsspezifischen Sozialisation eine besondere Bedeutung. Zum einen werden Jungen und Mädchen in Hinblick auf Körper, Bewegung und Sport unterschiedlich sozialisiert (und erzogen), insofern ihnen z. B. unterschiedliche Aktivitäten und somit Erfahrungsmöglichkeiten angeboten oder zugestanden werden, ihnen andere Identifikationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen etc. Zum anderen bieten Bewegungsaktivitäten den Kindern aber auch viele Gelegenheiten, sich in ihrer Geschlechterrolle zu inszenieren.

In Bezug auf geschlechtstypische Bewegungsaktivitäten, körperliche Merkmale und Fähigkeiten etc. haben Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren bereits ein umfangreiches Wissen gespeichert. Das heißt, sie wissen, was – im Kontext von Bewegung und Körper – bei dem jeweiligen Geschlecht als ‚normal’ oder ‚abweichend’ gesehen wird, sie können unterscheiden, welche Verhaltenseigenschaften im o.g. Kontext als typisch oder untypisch bewertet werden etc. Bewusst oder unbewusst kann dieses Wissen ihr Denken und Handeln im Alltag orientieren. Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich bis zum Schuleintrittsalter oftmals geschlechtstypische Bewegungsinteressen, körperbezogene Interaktionsstile und sportliche Handlungsmuster bereits entwickelt haben und die verinnerlichten Vorstellungen von ‚männlich und weiblich sein’ im Kontext von Bewegungsaktivitäten orientierungswirksame Funktion haben.

Welche geschlechtsbezogenen Vorstellungen vier- bis sechsjährige Mädchen und Jungen in Hinblick auf Körper und Bewegung entwickelt haben, welche Inszenierungsformen Mädchen und Jungen wählen, um ihrer Geschlechterrolle im Kontext von Bewegungsaktivitäten Ausdruck zu verleihen oder inwiefern sich im Kindergartenalter typische Geschlechterdifferenzen im Kontext von Bewegungsaktivitäten bereits auf der Verhaltensebene konkret zeigen, ist empirisch bislang noch nicht systematisch untersucht worden.

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