2.4 Der Einfluss des Bindungstyps und von Sprache auf das Explorationsverhalten von Kleinkindern

Projektleitung:
Prof. Dr. Renate Zimmer

Projektmitarbeiter/innen:
Dr. rer nat. Birthe Aßmann

In diesem Projekt wird der Einfluss des Bindungstyps und des sprachlichen Verhaltens von Eltern auf das spielerische Explorationsverhalten von Kleinkindern im Alter von eineinhalb bis drei Jahren bewegungsanalytisch untersucht.

Den theoretischen Hintergrund bilden die Ideen des Embodiments (z.B. Corbetta & Ulrich 2008; Thelen 2000), der Bindungstheorie (Bowlby 1984) und der sprachlichen Begleitung nach Albers (Albers 2011). Das Projekt schließt sich an ein an der FU Berlin durchgeführtes Forschungsprojekt an, in welchem ein bewegungsanalytisches Verfahren für die Erfassung der kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung von Kleinkindern im Alter von 6-18 Monaten entwickelt wurde (Aßmann 2010; 2012). Dieses Projekt zeigte, dass sich die Bindungsqualität von Kindern in ihrer Bewegungsdynamik widerspiegelt und diese wiederum Einblicke in kognitive und sozial-emotionale Prozesse der kindlichen Entwicklung gibt. Dieses Verfahren wird als methodischer Ansatz für die Auswertung der im o.a. Projekt erhobenen Daten angewendet.

Für die Studie werden bei den beteiligten Eltern und Kindern jeweils zweimal kinematische Daten einer Eltern-Kind-Dyade erhoben, wobei sich die beiden Besuche bezüglich des sprachlichen Verhaltens der Eltern unterscheiden (einmal mit und einmal ohne sprachliche Begleitung der Exploration des Kindes). Zudem wird jeweils der Bindungstyp von Eltern und Kindern erhoben.

Abbildung 2: Eltern-Kind-Dyade

Ziel der Beobachtungen ist es zu untersuchen, wie sich Bindungsdynamik und sprachliche Begleitung der Kinder im Bewegungsverhalten zeigt und damit Auswirkungen auf ihre kognitive und sozial-emotionale Entwicklung nimmt.

Abbildung 3: Zweidimensionale Koordinaten der Bewegungsbahn eines Kindes

Die Erhebung der kinematischen Daten erfolgte in Anwesenheit eines Elternteils. Dieser blieb während der gesamten Aufnahme an seinem Platz. Für die Erhebung kinematischer Daten von den Bewegungen der Kinder wurde der Bewegungsraum vor den Aufnahmen kalibriert und aus verschiedenen Perspektiven von mehreren Kameras aufgenommen, sodass anschließend computergestützt dreidimensionale Koordinaten über ca. 40 Minuten Explorationsverhalten der Kinder vorliegen. Abbildung 2 zeigt zweidimensionale Koordinaten der Bewegungsbahn eines Kindes durch einen Raum von ca. 140 qm über einen Zeitraum von 40 Minuten. Auf der x- und y- Achse sind die Entfernungen in mm aufgetragen. Der grüne Kreis zeigt die Position der Bezugsperson.

Eine erste statistische Auswertung der kinematischen Daten deutet auf Zusammenhänge erstens zwischen Bindungstypen von Kindern und Eltern und dem Bewegungsverhalten und zweitens zwischen der sprachlichen Begleitung der Kinder und ihrem Bewegungsverhalten hin. So konnten die erhobenen Bewegungsparameter faktorenanalytisch fünf zuvor angenommenen Kategorien zugeordnet werden, die Bindungstypen der Kinder von den kinematischen Daten vorhergesagt werden, sowie signifikante Unterschiede im Bewegungsverhalten der Kinder zwischen Besuchen mit und ohne sprachlicher Begleitung gezeigt werden.

Literatur

Albers, T. (2011). Sag mal! Krippe, Kindergarten und Familie: Sprachförderung im Alltag. Weinheim: Beltz.

Aßmann. B. (2010). Übereinstimmung und Neugier als Voraussetzung der Entwicklung: Bewegungsorganisation von Neugeborenen in Autonomie und Verbindung. In C. Wulf & K. Gebauer (eds), Bewegung und Emotion, Paragrana 19/1. Berlin, Akademie.

Aßmann, B. (2012). Bewegende Verbundenheit – Wie Bindung uns bewegt und bildet. Jahresfachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienbildung und Beratung e.V. 2012, Berlin.

Bowlby, J. (1984). Bindung. Frankfurt/Main: Fischer.

Corbetta, D. & Ulrich, B.D. (2008) Esther Thelen’s legacy: a dynamic world that continues to reach out to others. Infancy 13(3) 197-203.

Thelen, E. (2000). Grounded in the world: Developmental origins of the embodied mind. Infancy 5(1), 3-28.