Bewegungsorientierte Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund

Bewegungsorientierte Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund

Projektleitung:

  • Prof. Dr. Renate Zimmer

Projektmitarbeiterinnen:

  • Dipl. Psych. Christine Gerhards (Universität Osnabrück)
  • M.A. Carmen Huser (nifbe)
  • Dipl. Psych. Simone Erbe (nifbe)

 

Projektgruppe

Aus dem Schwerpunkt der bewegungsorientierten Förderung sprachlicher Kompetenzen bei Kindern mit Migrationshintergrund entwickelte sich aufgrund der hohen Resonanz am Projekt „Bewegte Sprache – Sprachförderung durch Bewegung“, das im Fachgebiet Sportwissenschaft der Universität Osnabrück (Arbeitsgruppe Prof. Dr. Renate Zimmer) durchgeführt wird, ein eigenständiges Projekt. Durch die finanzielle Förderung der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung war es möglich, alle interessierten Einrichtungen – also mehr als ursprünglich geplant – aufzunehmen, und darüber hinaus Kindertageseinrichtungen mit einem besonders hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund stärker und an die individuellen Bedürfnisse angepasst zu begleiten und zu unterstützen.

 

Begleitung und Inhalte

Neben der Teilnahme an der Fortbildung des Forschungsprojektes „Bewegte Sprache – Sprachförderung durch Bewegung“ findet in diesem Projekt eine enge, individuelle Begleitung der Erzieherinnen in den Kindertagesstätten mit hohem Migrationsanteil statt. Es wurde eine bestehende Kooperation mit Frau Prof. Dr. Havva Engin, die für die Sprachförderung bei Kindern mit migrationsbedingter Zwei- und Mehrsprachigkeit ausgewiesen ist, ausgebaut. In einer Arbeitsgruppe wurden die Projektinhalte an die Bedürfnisse dieser Zielgruppe angepasst. In enger Zusammenarbeit zwischen Projektmitarbeiterinnen und Erzieherinnen werden Förderangebote gemeinsam geplant, durchgeführt und reflektiert.

Seit Anfang des Jahres 2011 wurden in der monatlich durchgeführten Fortbildungsreihe „Bewegte Sprachförderung für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache“ die vermittelten Inhalte der Fortbildung des ursprünglichen Hauptprojektes vertieft sowie durch weitere folgende Themen ergänzt:

 

Fortbildungsinhalte

  • Der Zweitspracherwerb: Theoretisches Modell des Zweitspracherwerbs des Deutschen bei Kindern mit Migrationshintergrund (vgl. Adler, 2010)
  • Bewegte Sprachförderung: Praxisbeispiele zur bewegten Sprachförderung bei Kindern mit DAZ
  • Sprachförderung im Kindergarten: Vorstellung der Arbeit einer Sprachförderkraft
  • Elternarbeit: Die pädagogische Zusammenarbeit mit Eltern mit Migrationshintergrund
  • Professionelle Haltung: Die Haltung der Erzieherin in Bezug auf die Arbeit mit Familien mit Migrationshintergrund
  • Waldtage: Bewegte Spracherfahrungen im Wald und dem Außengelände des Kindergartens
  • Bewegte Literacyerfahrungen: Praxisbeispiele in Bewegung für Kinder mit DAZ
  • Lerntagebuch: Die persönlichen Erfahrungen mit Migration und die Erlebnisse mit Kindern mit DAZ im pädagogischen Alltag reflektieren
  • Diversity im Kindergarten am Beispiel Literacy und Musik:Vielfalt der Sprachen und Kulturen in den Alltag konkret einbauen, z.B. Wie können wir andere Sprachen durch Medien z.B. Bücher oder Lieder verstärkt berücksichtigen und dadurch wertschätzen?
  • Interkulturelle Sensibilisierung und die Einbeziehung der Familien: Unterschiede der deutschen und der Migrationskultur, Sensibilisierung für die Herausforderungen mit Familien mit Migrationshintergrund und deren stärkeren Einbeziehung in den pädagogischen Alltag

 

Wissenschaftliche Begleitung

Die Erzieherinnen dokumentierten die Sprachentwicklung der Kinder mit Hilfe des Beobachtungsbogens sismik (Ulich & Mayr, 2006), der recht umfassende Daten über viele Bereiche der Sprachentwicklung innerhalb der alltäglichen kontextuellen Bedingungen der Kinder in der KiTa anspricht. Die Auswertung der sismik-Beobachtungsbögen sollte Aufschluss über die Effektivität der Förderung geben. Deshalb wurde der sismik zu zwei verschiedenen Stichterminen mit einem Interventionszeitraum von einem Jahr dazwischen eingesetzt, innerhalb dessen die Erzieherinnen die in den Fortbildungen erlernten Inhalte mit den Kindern umsetzten und sie auf diese Weise intensiver fördern konnten.

Des Weiteren werden qualitative Forschungsmethoden durchgeführt, um das Projekt zu evaluieren. In Einzelinterviews der Erzieherinnen soll die Besonderheit einer Sprachförderung durch Bewegung bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache, sowie deren Umsetzbarkeit untersucht werden. Die Ergebnisse der sismik-Auswertung sollen durch die Darstellung individueller Beobachtungen der Kinder unterstützt werden.

 

Ergebnisse

In der quantitativen statistischen Analyse und dem Vergleich der Ergebnisse des ersten Beobachtungszeitpunktes mit denen der zweiten Beobachtungsphase auf der Grundlage des o.g. Beobachtungsbogens stellte sich heraus, dass mit der bewegungsorientierten sprachlichen Förderung sehr erfreuliche Effekte erzielt wurden. So war in den meisten über den sismik erfassten Bereichen (genauer: auf 5 von 6 Skalen!) ein signifikanter, also bedeutsamer Entwicklungszuwachs hinsichtlich der deutschen sprachlichen Fähigkeiten der geförderten Kinder festzustellen, der sich im Vergleich nicht bei gleichaltrigen Kindern zeigte, die keine konsequente Förderung erhalten hatten.

 

Literatur

  • Adler, Y. (2010). Kompetenzentwicklungsmodell des Zweitspracherwerbs Deutsch bei Kindern unter 7 Jahren (KomMig). Die Sprachheilarbeit, 3, S. 121-128.
  • Ulich, M. & Mayr, T. (2003). Sismik. Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen (Beobachtungsbogen und Begleitheft). Freiburg: Herder.
  • Zimmer, R. (2009). Handbuch Sprachförderung durch Bewegung. Freiburg: Herder.