2.9 Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen in Bewegung

SEKIB – Ein Projekt zur bewegungsorientierten Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen in der frühen Kindheit

Drittmittelprojekt

Projektleitung:
Prof. Dr. Renate Zimmer, Universität Osnabrück

Förderung durch:
Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, BKK – Landesverband Nordwest,

Kooperationspartner:
FABIDO Familienergänzende Bildungseinrichtungen für Kinder in Dortmund

Projektmitarbeiterinnen:
Dr. phil. Elke Haberer
Dipl. Reha.-Päd. Nadine Madeira Firmino
Dr. phil. Kathrin Rolfes
Dr. phil. Dipl. Psych. Brigitte Ruploh
M.A. Sportwiss. Mareike Sandhaus

Laufzeit:
01.10.2010 – 30.06.2014

Das Projekt hatte das Ziel, den Erwerb sozial-emotionaler Kompetenzen von Kindergartenkindern durch gezielte Spiel- und Bewegungsangebote zu unterstützen. Es wurde durchgeführt in Kooperation mit der FABIDO (Familienergänzende Bildungseinrichtungen für Kinder in Dortmund). 16 städtische Kindertageseinrichtungen (Kitas und Krippen) im Raum Dortmund beteiligten sich aktiv. Über einen ganzheitlichen körper- und bewegungsorientierten Zugang sollten der Umgang mit dem eigenen Körper, die nonverbale und verbale Ausdrucksfähigkeit, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Impulskontrolle, Empathie und Rollenübernahme sowie der Umgang mit Konflikten geübt und verbessert werden. Leitende theoretische Modelle waren die Basiskompetenzen sozialen Handelns nach Zimmer (2012, S. 36) und das Modell der emotionalen und kognitiven Prozesse bei der Verarbeitung sozialer Informationen nach Crick & Dodge (1994).

Mit Hilfe von Experteninterviews waren die pädagogischen Fachkräfte vor Beginn der Intervention zu Alltagsbelastungen durch das Verhalten der Kinder befragt worden. Auf dieser Datenbasis wurden Projektinhalte konzipiert, die auf die im Alltag auftretenden Problemlagen eingehen sollten.

Die wissenschaftliche Evaluation erfolgte in enger Kooperation mit den teilnehmenden Praxisvertretern. Nach dem Prinzip eines Prä-Post-Designs wurden in der ersten Projektphase bei über 100 Kindern in den Kindergärten und Krippen quantitative und qualitative Daten vor und nach der Intervention erhoben. Diese Daten betrafen das Sozialverhalten der Kinder aus Sicht der Erzieherinnen, aus Sicht der Eltern, aber auch aus Sicht der Kinder selber. Zur Evaluation des Projektes wurden zum Ende der Fortbildungsreihe 2014 halbstrukturierte Interviews mit den Teilnehmerinnen durchgeführt.

Ergebnisse

Die quantitativen Ergebnisse deuten u. a. auf signifikante Verbesserungen der Werte der Kinder hin in den durch die Erzieherinnen eingeschätzten Skalen des Verhaltensbeurteilungsbogen für Vorschulkinder in der Erzieherinnenversion (VBV 3-6-ER; Döpfner, Berner, Fleischmann & Schmidt 1993):

  • Sozial-emotionale Kompetenzen,
  • Oppositionell-aggressives Verhalten,
  • Hyperaktivität vs. Spielausdauer,
  • Emotionale Auffälligkeiten

und in zwei Skalen des Strength and Difficulties Questionnaire, deutsche Version, (SDQ-Deu; Goodman 1997):

  • Verhaltensprobleme,
  • Prosoziales Verhalten

sowie im Gesamtwert des SDQ-Deu.

Die qualitative Analyse zeigt deutlich, welchem Bereich die Fachkräfte am meisten Bedeutung zuschreiben. Im Gegensatz zu den Dimensionen Wissen und Handlungsrepertoire machen die pädagogischen Fachkräfte am meisten Aussagen zur Veränderung ihrer pädagogischen Haltung.

Mit diesem Projekt wurde erstmals ein Konzept vorgestellt und evaluiert, das Bewegung als Medium zur Stärkung sozial-emotionaler Kompetenzen von Kindern im Alter von ein bis sechs Jahren im Kontext Kita nutzt.

Eine praxisorientierte Handreichung ist entstanden (Zimmer, Braun & Rolfes, 2016), in der im Projekt erprobte Inhalte festgehalten und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Basis hierfür waren die Fortbildungsinhalte, die Rückmeldungen der Erzieherinnen zur Umsetzung der Spiele sowie das Videomaterial. Somit konnte ein nachhaltiger Transfer der Projektinhalte und Modifizierungen, die im Gegenstromprinzip mit der Praxis erarbeitet wurden, gewährleistet werden.

 

Literatur

Bischoff, A., Menke, R., Madeira Firmino, N., Sandhaus, M., Ruploh, B. & Zimmer, R. (2012). Sozial-emotionale Kompetenzen. Fördermöglichkeiten durch Spiel und Bewegung (nifbe-Themenheft Nr. 12). Osnabrück: Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung.

Crick, N. & Dodge, K. (1994). A review and reformulation of social information-processing mechanisms in children’s social adjustment. Psychological Bulletin, 115 (1), 74-101.

Döpfner, M., Berner, W., Fleischmann, T. & Schmidt, M. (1993). VBV 3-6. Verhaltensbeurteilungsbogen für Vorschulkinder [R. S. Jäger & F. Petermann (Hrsg.), Reihe: Treatmentorientierte Diagnostik]. Weinheim: Beltz Test.

Goodman, R. (1997). The Strengths and Difficulties Questionnaire: A research note. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 38 (5), 581-586.

Zimmer, R. (2012). Handbuch der Bewegungserziehung. Grundlagen für Ausbildung und pädagogische Praxis (1. Neuaufl., 24. Gesamtaufl.). Freiburg: Herder.

Zimmer, R., Braun, M. & Rolfes, K. (2016). Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen durch Bewegung. Düsseldorf, Essen: Unfallkasse NRW & BKK-Landesverband NORDWEST.

Zimmer, R., Madeira Firmino, N., Braun, M., Ruploh, B., Haberer, E. & Rolfes, K. (2016). „Sozial-emotionale Kompetenzen in Bewegung – SEKIB“. Unveröffentlichter Abschlussbericht, Universität Osnabrück.