2.3 BaSiK – Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen

Projektleitung:

Prof. Dr. Renate Zimmer, Universität Osnabrück

Projektmitarbeiterinnen:
M.Sc. Psych. Carolin Eckrodt
M.A. Mot. Elisabeth König (bis 2015)
M.A. Bewegungswiss. Marina Kuhr (bis 2015)
M.A. Sonderpäd. & Rehawiss. Julia Kristoph (bis 2016)
Dr. Phil. Dipl. Reha.-Päd. Nadine Madeira Firmino
B.A. Reha.-Päd. Sophie Reppenhorst (bis 2016)
Dipl. Reha.-Päd. Stefanie Rieger

Die Beobachtung der kindlichen Entwicklung ist Bestandteil des Bildungsauftrages von Kindertageseinrichtungen. Durch Beobachtung können sowohl erste Eindrücke über die Entwicklung eines Kindes entstehen als auch zielgerichtet detaillierte Informationen über bestimmte Bildungsbereiche gesammelt werden. Vor dem Hintergrund alltäglicher Beobachtungen wird der weitere Entwicklungs- und Bildungsprozess des Kindes aufbauend auf seinen Interessen und Ressourcen begleitet und bestärkt (Zimmer 2013; Kany & Schöler 2007, S. 108). Dabei stellt die Beobachtung und Unterstützung des (Zweit‑)Spracherwerbs eine wesentliche Aufgabe im Bildungsauftrag der Kindertageseinrichtungen dar.

Das 2014 veröffentlichte Beobachtungsverfahren „BaSiK – Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen“ (Zimmer 2014)[1] bietet die Möglichkeit, die kindliche Sprachentwicklung ganzheitlich über die gesamte Kindergartenzeit bis zum Schuleintritt im pädagogischen Alltag zu beobachten. Das Verfahren wurde im Zeitraum 2010-2014 in enger Zusammenarbeit mit pädagogischen Fachkräften entwickelt und seither an einer Stichprobe von über 2000 Kindern erprobt. Ziel war es, ein Verfahren zu konstruieren, anhand dessen nicht nur sprachliche Kompetenzen im engeren Sinne beobachtbar sind, sondern auch bestimmte Basiskompetenzen, die dem Spracherwerb vorausgehen, dokumentieren zu können. Außerdem galt es, verbale und nonverbale Einflussfaktoren auf den Erwerb der deutschen Sprache von mehrsprachig aufwachsenden Kindern zu berücksichtigen. Aufbauend auf den Beobachtungen können bei BaSiK Maßnahmen einer alltagsintegrierten Sprachbildung abgeleitet werden, sodass Beobachtungs-, Dokumentations- und Bildungsprozesse ineinander greifen (vgl. Zimmer 2014). Das Verfahren liegt in einer Version für Kinder unter drei Jahren und einer Version für Kinder über drei Jahren vor.

Besonders die Kinder, die noch am Beginn ihrer Sprachentwicklung stehen oder Deutsch als Zweitsprache erwerben, profitieren von Zugängen zur Sprache, die über die Wahrnehmung, den Körper und die Bewegung erfolgen. BaSiK verfolgt somit einen ganzheitlichen Zugang zur Sprache, ihrer Beobachtung und Bildung. Auf Grundlage dieser ganzheitlichen Auffassung von Sprache und ihrer Entwicklung berücksichtigt BaSiK neben Sprachkompetenzen im engeren Sinne auch Basiskompetenzen, die dem Spracherwerb vorausgehen. Für BaSiK ergeben sich somit folgende Skalen:

  1. Basiskompetenzen
    • Auditive Voraussetzungen
    • Mundmotorik
    • Taktil-kinästhetische Kompetenzen
    • Emotional-motivationale Kompetenzen
    • Soziale Kompetenzen
  2. Sprachverständnis
  3. Semantisch-lexikalische Kompetenzen
  4. Phonetisch-phonologische Kompetenzen
  5. Prosodische Kompetenzen
  6. Morphologisch-syntaktische Kompetenzen
  7. Pragmatische Kompetenzen
  8. Literacy

Zur Dokumentation der Kompetenzen wird ein Beobachtungszeitraum von 2-4 Wochen empfohlen. Außerdem ist es möglich eine qualitative (beschreibende) oder eine quantitative (rechnerische) Auswertung vorzunehmen, wobei durch erstere Situationen einer anschließenden Sprachbildung abgeleitet werden können und diese somit vordergründig durchgeführt werden sollte. Es ist ratsam BaSiK flexibel einzusetzen, es ist z.B. nicht notwendig, dass eine Fachkraft einen Beobachtungsbogen allein ausfüllt. Vielmehr können sich die pädagogischen Fachkräfte, wenn gewünscht, bei der Beobachtung absprechen und Skalen aufteilen.

Verbindung von Sprachbildung und Beobachtung

Auf Basis der Beobachtungsergebnisse können die pädagogischen Fachkräfte Maßnahmen einer anschließenden Sprachbildung ableiten. Obwohl anhand des Verfahrens primär die Sprachentwicklung der Kinder beobachtet werden kann, empfiehlt es sich, die anschließende Unterstützung auch vor dem Hintergrund der Gesamtentwicklung des Kindes, seinem Spiel-, Lern- und Sozialverhalten zu planen (vgl. Albers 2011, S. 102). Zu diesem Zweck wird in BaSiK aufgezeigt, wie aktuelle Entwicklungsschritte im Beobachtungsbogen vermerkt werden können und mit bereits erworbenen Kompetenzen zu verbinden sind (Zimmer 2014). Außerdem werden verschiedene Situationen zur Gestaltung alltagsintegrierter Sprachbildung mit den Beobachtungsaufgaben verknüpft, die unterschiedlichen Bereichen und ggf. auch Interessen der Kinder zuzuordnen sind. Darüber hinaus werden Sprachlehrstrategien genannt, die zum Ausbau von Dialogen dienen und somit die Sprechfreude der Kinder unterstützen (vgl. Zimmer 2014).

Erprobung

Das Verfahren BaSiK wurde seit 2010 entwickelt und seither in den Bundesländern Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen erprobt. Die bisherigen Analysen des Verfahrens basieren auf einer Stichprobe von insgesamt circa 2000 Kindern, von denen ungefähr ein Drittel mit Deutsch als Zweitsprache aufwächst. Die aktuelle Normierungsstichprobe des Verfahrens umfasst 957 Kinder im Alter von 1;0 – 6;11 Jahren, von denen 211 Kinder einen bi- bzw. multilingualen Spracherwerb aufweisen. Die Ergebnisse der Reliabilitätsanalyse weisen bei beiden Verfahren sowohl für die Kinder mit Deutsch als Erstsprache, als auch für die mehrsprachig aufwachsenden Kinder auf zufriedenstellende Koeffizienten der einzelnen Skalen hin. Dabei weist das BaSiK-U3-Verfahren eine interne Konsistenz von α (Median) = .85 und das BaSiK-Ü3-Verfahren eine interne Konsistenz von α (Median) = .87 auf. Darüber hinaus sprechen signifikante Zusammenhänge mit der Summe der Risikopunkte des Verfahrens BISC (Jansen, Mannhaupt, Marx & Skowronek 2002) für die Validität des Verfahrens. Praxiserfahrungen zufolge lässt sich das Verfahren BaSiK ökonomisch und praktikabel im pädagogischen Alltag anwenden und ist außerdem hilfreich bei der Ableitung von Maßnahmen zur Unterstützung der kindlichen Sprachentwicklung.

[1] unter Mitarbeit von Nadine Madeira Firmino, Stefanie Rieger und Carolin Eckrodt