Verbundprojekt Geschlechter – Wissen – Macht – Körper.

Verbundprojekt „Geschlechter – Wissen – Macht – Körper. Eine interdisziplinäre Verbundforschung zur geschlechtsbezogenen Körper- und Bewegungssozialisation in der Kindheit unter besonderer Berücksichtigung sozialer und ethnischer Kategorien“

Projektleitung:

  • Prof. Dr. Ina Hunger (Verbundsprecherin)
  • Prof. Dr. Renate Zimmer
  • Prof. Dr. Michael Mutz

Projektmitarbeiterinnen:

  • Marina Kuhr
  • Anna Ransiek
  • Rosa Exner
  • Peggy Albrecht

Drittmittelprojekt gefördert durch das Programm „Geschlecht-Macht-Wissen“ des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.

Obgleich die Kindheit aus multidisziplinärer Perspektive als grundlegend für die Herausbildung geschlechtsbezogener „Identität“ gilt, wurde die Lebensphase Kindheit im Kontext der Genderforschung theoretisch und empirisch bislang wenig beachtet. Dies gilt insbesondere für den thematischen Bereich „Körper und Bewegung“: Die Beziehung zwischen Geschlecht und Körper(praktiken) wird zwar über Disziplingrenzen hinweg als untrennbar postuliert, eine empirische Annäherung daran, wie und in welchen kulturell je spezifischen sozialen Bewegungspraktiken die Geschlechterverhältnisse in der Kindheit einschlägig vorstrukturiert werden, war jedoch bislang nur selten Gegenstand (internationaler) Genderforschung. An dieser Stelle, an der geschlechtsbezogenen Körper- und Bewegungssozialisation von Kindern, setzt die Verbundforschung an.
Die Gesamtstudie hat zum Ziel, die bei Kindern und Eltern verinnerlichten geschlechtsbezogenen Normalitätsvorstellungen im Kontext von Bewegung und Körper zu explorieren und die familialen sozialen Praktiken zu analysieren, im Rahmen derer typischerweise körper- und bewegungsbezogene Differenzen vorstrukturiert, ausdifferenziert oder gefestigt werden. Sie nähert sich im Rahmen von drei triangulierten Teilstudien den Deutungsmustern und sozialen Bewegungspraxen mit Hilfe ethnografisch-qualitativer Verfahren und erfasst darüber hinaus mit quantitativ messenden Methoden die Bewegungsaktivitäten von Jungen und Mädchen im Alltag selbst.

Ethnografische Annäherungen an familiale körperbezogene Praktiken sowie normative Diskurse von Eltern unter dem Fokus „Geschlecht“

Leitung: Prof. Dr. Ina Hunger (Verbundsprecherin)
Professur für Sportpädagogik/-didaktik,
Georg-August-Universität Göttingen

(1) Das erste Teilprojekt hebt auf die geschlechtsbezogene Körper- und Bewegungssozialisation von Kindern (6-10 Jahre) ab, indem es danach fragt, welche Rolle das Geschlecht des Kindes in Bezug auf die von den Eltern vorstrukturierten Körperpraktiken und Bewegungsaktivitäten spielt und inwiefern damit den Kindern unterschiedliche Lern- und Erfahrungsgelegenheiten geschlechtsgebunden eröffnet werden. Die Studie setzt zum einen an den Eltern an. Sie rekonstruiert mit Hilfe qualitativer Interviews deren normative Diskurse sowie deren implizite – quasi in den kindbezogenen Körper- und Bewegungspraktiken eingelassenen – geschlechtsbezogene Konstruktionen. Auf der Basis ethnografischer Beobachtungen und Feldgespräche beschreibt sie zum anderen die (kulturell je spezifischen) sozialen Praktiken, innerhalb derer Körper und Geschlecht in der Kindheit thematisiert werden.

Quantitative Erfassung kindlicher Bewegungsaktivitäten unter dem Fokus Geschlecht im Kontext ethnisch-kultureller Milieus

Leitung: Prof. Dr. Michael Mutz
Juniorprofessur für Sportsoziologie,
Georg-August-Universität Göttingen

(2) Das zweite Teilprojekt befasst sich mit Geschlechterdifferenzen in den alltäglichen Sport-, Spiel- und Bewegungsaktivitäten von Kindern. Das Spiel-, Sport- und Bewegungsverhalten der Kinder wird hier im Hinblick auf Umfänge, Intensitäten, Inhalte, Kontexte, Sinnperspektiven sowie ihren „Bewegungsradius“ im sozialräumlichen Umfeld mit verschiedenen objektiv messenden Verfahren aufgezeichnet sowie mit kindgerechten strukturierten Interviews erhoben. Die quantitativen Daten erlauben einerseits eine vielschichtige Beschreibung der Geschlechterdifferenzen in den Bewegungsaktivitäten von Kindern, andererseits eine Differenzierung dieser Unterschiede nach sozialen und ethnisch-kulturellen Bedingungen des Aufwachsens.

Wissenssoziologische Studie zu geschlechtsbezogenen Zuschreibungsprozessen von Jungen und Mädchen unter dem Fokus Körper, Bewegung und hierarchische Beziehung

Leitung: Prof. Dr. Renate Zimmer
Professur für Sportwissenschaft,
Universität Osnabrück

(3) Das dritte Teilprojekt hebt auf den altersbezogenen Verlauf von geschlechtsbezogenen „Einstellungen“ und „Praktiken“ im Kontext von Körper und Bewegung ab, betont hierbei das (hierarchische) Verhältnis der Geschlechter zueinander und setzt unmittelbar an den geschlechtsbezogenen Zuschreibungsmustern und individuellen Bewegungshandlungen von Kindern an. Interviewt werden Jungen und Mädchen, die von der dieses Teilprojekt bearbeitenden Wissenschaftlerin bereits vor ca. vier Jahren unter der Fragestellung der Bewegungssozialisation untersucht wurden und bei denen sich die jeweilige (empirisch basierte) Typik im Rekurs auf ausgewählte Themen als relevant herausgestellt hat. Das besondere Potenzial dieser zeitversetzten vergleichenden Untersuchung liegt also in der biografischen Dimension von geschlechtsbezogenen Konstruktionen und Bewegungspraktiken innerhalb der Lebensphase Kindheit und macht (im Ansatz) eine theoretische Konzeptualisierung der Verschränkung zwischen „age“ und „gender“ möglich.

http://www.mwk.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/niedersachsen-staerkt-die-geschlechterforschung-130163.html