Kongress-Beginn in Osnabrück: Bewegung in der Schulpolitik gefordert

Kongress-Beginn in Osnabrück: Bewegung in der Schulpolitik gefordert

Osnabrück. Mit dem eindringlichen Appell, wieder mehr Sport und Musik zu unterrichten und nicht länger den kognitiven Fächern zu opfern, ist gestern in Osnabrück der 8. Kongress „Bewegte Kindheit“ eröffnet worden.

Kongress-Beginn in Osnabrück: Bewegung in der Schulpolitik gefordert

Mit stürmischem Beifall wurde der Kinderzirkus Luftikus (oben) von den Kongressteilnehmenden gefeiert. Fotos: Jörn Martens

Mit mehr als 3000 Teilnehmenden aus Deutschland, vielen europäischen Ländern und Korea ist die dreitägige Veranstaltung der Universität Osnabrück und des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung der größte Kindheits-Kongress in Deutschland.

Inklusion sei eines der Hauptthemen dieser Tagung, sagte Kongressleiterin Renate Zimmer. Die Sport- und Bewegungswissenschaftlerin äußerte in Richtung der neuen niedersächsischen Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic die Hoffnung, dass die rot-grüne Regierung die Abmachungen aus dem Koalitionsvertrag einhalten werde.

„Die Koalition will aus der Ausnahme eine Regel machen“, versicherte die Ministerin. Das sei angesichts der Tatsache, dass Niedersachsen bei der Inklusion unter den Bundesländern das Schlusslicht sei, „eine große politische Herausforderung“. Der Kongress biete Praktikern die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnis in den Arbeitsalltag umzusetzen, lobte die Ministerin der Grünen. Bewegung und sinnliche Wahrnehmung würden in Kindertagesstätten vermittelt. Da sei das von der Bundesregierung beschlossene Betreuungsgeld „das falsche Signal“, sagte Heinen-Kljajic unter großem Beifall.

Renate Zimmer ging in ihrer Ansprache hart mit der Schulpolitik ins Gericht. Nach dem schlechten Abschneiden bei den PISA-Studien seien Fächer wie Sport und Musik zugunsten kognitiver Fächer reduziert worden: „Manche möchten offenbar nur den Kopf in die Schule schicken, aber es kommt immer das ganze Kind.“

Dieses Bild griff Julian Nida-Rümlin in seinem Eröffnungsvortrag „Die physische Dimension der Bildung“ auf. Der Philosoph und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München kritisierte die „Vereinseitigung“ der Bildung und skizzierte eine Schule, die den ganzen Menschen berücksichtige: Der Tag beginnt mit Bewegung, anschließend folgen Fächer wie Musik und Kunst und dann die Vermittlung der Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Und dann sollen nach Nida-Rümelins Vorstellung die Kinder „selber denken“. Sie sollten ihre eigenen Ideen und Vorstellungen aussprechen können und ernst genommen werden, so verrückt ihre Vorstellungen auch erscheinen mögen: „Das geht.“

Deutschland habe in den vergangenen Jahren die Bildung vernachlässigt und liege 22 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt der Bildungsausgaben. Der Professor präsentierte seine Rechnung: Wenn Deutschland, gemessen am Bruttosozialprodukt, so viel in Bildung investieren wolle wie im Jahr 1977, dann seien zusätzliche 35 Milliarden Euro nötig. „Die Politik muss lernen“, sagte er schlicht.

Bewegte Kinder waren die Stars der Eröffnungsveranstaltung in der Osnabrückhalle. Der Kinderzirkus Luftikus der Grundschule Bissendorf zeigte, wie viel Spaß Sport und Spiel machen können. Der Anteil der Jungen unter den kleinen Artisten war im Verhältnis zu den Mädchen ähnlich gering wie bei den Tagungsteilnehmenden. Die Bildung von Vor- und Grundschulkindern ist weiterhin fest in Frauenhand.

Ministerin: Inklusion soll an Niedersachsens Kitas zur Regel werden

Ministerin: Inklusion soll an Niedersachsens Kitas zur Regel werden

Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajic
Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajic
© Fotograf: Tom Figiel

Osnabrück (epd). Die neue Niedersächsische Landesregierung will die Inklusion in der frühkindlichen Bildung von der Ausnahme zur Regel machen. „Alle Kinder, ob mit oder ohne Handicap sollen gemeinsam Kindertageseinrichtungen besuchen und miteinander aufwachsen“, sagte Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) am Donnerstag bei der Eröffnung des dreitägigen Kongresses „Bewegte Kindheit“ in Osnabrück.
Zur bundesweit größten Tagung für frühkindliche Bildung kamen rund 3.000 Erzieherinnen, Pädagogen, Therapeuten und Ärzte zusammen. Sie diskutieren noch bis Sonnabend neue Erkenntnisse zur Inklusion. Renommierte Wissenschaftler stellen neue Ansätze zur Arbeit mit behinderten und sozial benachteiligten Kindern sowie Migrantenkindern vor. Sie sollen gemeinsam mit anderen Kindern lernen und nach ihren individuellen Bedürfnissen gefördert werden.
Kongressleiterin Renate Zimmer hob hervor, dass die Inklusion in den Kindertagesstätten bereits weiter fortgeschritten sei als in den Schulen. 62 Prozent der Kleinkinder mit Förderbedarf besuchten eine Regel-Kita.
Dennoch gebe es gerade in Niedersachsen noch Nachholbedarf, sagte Zimmer: „Es darf zum Beispiel nicht sein, dass ein Kind, bei dem in der Krippe eine Beeinträchtigung festgestellt wird, die Einrichtung wechseln muss.“ Es müsse derzeit entsprechend seines Förderbedarfs in eine sogenannte Schwerpunkt-Kita. „Da ist Inklusion noch nicht so, wie sie sein sollte.“ Langfristig sollte jede Kita alle Kinder individuell fördern können: „Denn Chancengleichheit beginnt in der frühkindlichen Bildung.“
Das gemeinsame Lernen in Kita und Schule sei für alle Kinder von Vorteil, sagte Zimmer, die Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) ist. Studien hätten gezeigt, dass die Vielfalt entgegen der Bedenken mancher Eltern die Leistungen nicht mindere. Die allgemeine Lernbereitschaft nehme sogar zu, ebenso die soziale Kompetenz: „Die Kinder gehen viel lieber zur Schule und lernen, mit eigenen Schwächen und denen anderer umzugehen.“ Das sei im Hinblick auf eine vielschichtige und vielfältige Gesellschaft von großer Bedeutung. (8147/28.02.13)

Osnabrück: Vorbereitungen auf Kongress

Osnabrück: Vorbereitungen auf Kongress „Bewegte Kindheit“ laufen auf Hochtouren

Osnabrück. Bereits zum achten Mal laden die Universität Osnabrück und das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) zum Kongress „Bewegte Kindheit“ ein. Über 3000 Teilnehmer aus ganz Deutschland und sogar aus dem europäischen Ausland werden diesmal erwartet. Von Donnerstag bis Samstag haben sie Gelegenheit, wissenschaftliche Vorträge und praxisorientierte Workshops zu besuchen. Das Thema Inklusion ist in diesem Jahr Schwerpunkt der bundesweit größten Tagung zum Thema Kindheit.

Vorbereitungen auf den Kongress laufen auf Hochtouren

Stehen in den Startlöchern für den Kongress „Bewegte Kindheit“: Nadine Matschulat, Nadine Vieker, Ilka Lunau, Professorin Renate Zimmer, Sebastian Scherf und Maike Eick. Foto: Egmont Seiler

Pressemeldungen 2013

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Sprache durch Bewegung und Sport fördern – Fortbildung für Erzieherinnen“, Ahlener Tagesblatt, 06.12.2013
Wie Sprache entsteht, was Sprache bewegt – Prof. Renate Zimmer hält Fachvortrag in Aachen“, Aachener Nachrichten, 22.11.2013
Begeisterung macht gesprächig – neues Landesprojekt zur Sprachförderung in Kitas gestartet“, Herforder Nachrichten, 06.10.2013
Kongressabschluss mit Resolution für gute Bildung“, 02.03.2013
Einseifen für die Bewegte Kindheit – Beim Kongress in der OsnabrückHalle sind die Praxisworkshops proppenvoll“, Neue Osnabrücker Zeitung, 02.03.2013
„Humane Bildung“ statt „Verkopfung“: 8. Kongress „Bewegte Kindheit“ farbenfroh eröffnet“, 01.03.2013
Kongress-Beginn in Osnabrück: Bewegung in der Schulpolitik gefordert“, Neue Osnabrücker Zeitung, 01.03.2013
Ministerin: Inklusion soll an Niedersachsens Kitas zur Regel werden“, 28.02.2013
Osnabrück: Vorbereitungen auf Kongress „Bewegte Kindheit“ laufen auf Hochtouren“, 26.02.2013