Pressemeldungen 2015

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Renate Zimmer Ehrengast beim Tag des Anstoßes in Wallenhorst“, Neue Osnabrücker Zeitung, 01.10.2015
Mit jedem Schritt wachsen wir“, Luxemburger Wort, 23.09.2015
Nifbe-Direktorin Renate Zimmer warnt vor Zerschlagung“, Neue Osnabrücker Zeitung, 07.06.2015 
Schweizer Delegation zu Gast beim nifbe“, 15.01.2015

Pressemeldungen 2014

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Erzieherinnen und Erzieher brauchen das Gefühl, etwas bewirken zu können“, Leipziger Buchmesse, 14.03.2014
Psychomotorische Übungen stärken Selbstvertrauen von Kindern“, Tierischer Volksfreund, 20.01.2014
Expertin fordert Mutmach-Pädagogik für den Sportunterricht“, Evangelischer Pressedienst (epd), 19.01.2014

8. Kongress „Bewegte Kindheit“ farbenfroh eröffnet

8. Kongress „Bewegte Kindheit“ farbenfroh eröffnet

Osnabrück, 01.03.2013

Jonglage, Rhythmus, Tanz, Artistik – mit bewegten und bewegenden Künsten des „Kinderzirkus Luftikus“ der Grundschule Bissendorf ist vor über 3.000 TeilnehmerInnen der 8. Kongress „Bewegte Kindheit“ in der Stadthalle Osnabrück fröhlich und farbenfroh eröffnet worden.

Der gemeinsam von Universität Osnabrück und dem Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) veranstaltete und seit Wochen ausgebuchte Kongress ist bundesweit die größte und renommierteste Veranstaltung zur frühkindlichen Bildung und Entwicklung. Über drei Tage stehen mehr als 150 Vorträge, Seminar und Workshops auf dem Programm. Im Fokus des diesjährigen Kongresses steht die Inklusion, also das gemeinsame Aufwachsen und Lernen von allen Kindern in Kita und Grundschule.

Kinderzirkus Luftikus

Die Vizepräsidentin der Universität Osnabrück, Prof. Dr. May-Britt Kallenrode, mahnte in ihrer Begrüßung dazu, in der bildungspolitischen Diskussion zur frühkindlichen Bildung nicht nur über die Anzahl der Plätze zu streiten, sondern auch die Qualität zu diskutieren und allen Kindern die gleichen Bildungschancen zu bieten. In Niedersachsen strich sie das nifbe als „wichtiges und landesweit vernetztes Instrument“ heraus, um zum Beispiel neue Forschungsergebnisse und innovative Qualifizierungsansätze tatsächlich in die Praxis zu bringen.

Vielfalt als Chance und Ressource

Niedersächsische Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajic
Die niedersächsische Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajic rief in ihrem Grußwort dazu auf, „Vielfalt als Chance und Ressource“ zu sehen. Sie unterstrich das Ziel der neuen niedersächsischen Landesregierung, „die Inklusion in der frühkindlichen Bildung von der Ausnahme zur Regel zu machen. Dafür werden wir die rechtlichen Grundlagen für eine inklusive Kita schaffen. Wir wollen zusammen mit Trägern, Wissenschaft und den Einrichtungen erreichen, dass unsere Krippen und Kindergärten in Niedersachsen sich auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder besser einstellen können. Alle Kinder, ob mit oder ohne Handicap, sollen gemeinsam Kindertageseinrichtungen besuchen und miteinander aufwachsen.“ Den Kongress lobte sie als „Erfolgsgeschichte“, der in Theorie und Praxis zeige, worauf es in den ersten Jahren unserer Kinder am meisten ankomme: „der Körper mit seinen Bewegungen und die sinnlichen Wahrnehmungen bilden das Fundament aller Lern- und Bildungsprozesse“.

Gegen Verkopfung und Leistungsdruck

Prof. Dr. Renate Zimmer
Kongressleiterin Prof. Dr. Renate Zimmer hob die Chancen der Bewegung im Hinblick auf die Inklusion heraus; „Bewegung ist in besonderem Maße geeignet, einen Zugang zu allen Kindern – unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund und ihrer sozialen Herkunft, unabhängig von ihren Entwicklungs- und Lernvoraussetzungen – zu finden.“ Kritisch ging sie auf die zunehmende „Verkopfung“ und einen immer höherer Leistungsdruck schon in der Grundschule ein und pointierte: „Im Klassenzimmer sitzt aber nicht nur der Kopf, sondern das ganze Kind mit all seinen Ressourcen und Bedürfnissen.“

Für eine „humane“ Bildung

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin
In eben diesem Sinne konstatierte auch Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin in seinem Festvortrag eine „merkwürdige Vereinseitigung unseres Bildungsbegriffs und unserer Bildungspraxis“. Statt den Kindern das „selber denken“ zu ermöglichen, stehe das „passive Rezipieren“ und das Anhäufen von Wissen im Vordergrund. Der ehemalige Kulturstaatsminister skizzierte mit Rückbezügen auf philosophische Klassiker wie Platon oder Aristoteles eine „humane Bildung, die dem ganzen Menschen gerecht wird“. Neben Bewegung, Musik, Kunst und den Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen böte diese auch genügend Raum zum „selber denken“ und zum „Standpunkte entwickeln“. Scharf grenzte er eine solche humane von einer rein auf Zwecke wie Wirtschaftlichkeit oder persönlichen Erfolg orientierten Bildung ab: „Es eignet sich nicht alles als Mittel zum Zweck“. Entscheidend für das Glück und die Zufriedenheit im Leben sei eine aus dem Menschen selber entspringende „intrinsische“ Motivation.

Nida-Rümelin fordert die Politik auf, der Bildung tatsächlich Priorität einzuräumen, denn das sei Deutschlands eigentliche Ressource. Zur Verblüffung der TeilnehmerInnen rechnete er vor, dass im Vergleich zum Jahr 1977 und gemessen am Bruttosozialprodukt heute 35 Milliarden Euro weniger in Bildung investiert würden – und das trotz heute rasant gestiegener Anforderungen insbesondere im frühkindlichen Bereich.

Kinderzirkus Luftikus

Kongressabschluss mit Resolution für gute Bildung

Kongressabschluss mit Resolution für gute Bildung

„Eine gute Bildung ist eine inklusive Bildung, die keinen Menschen ausschließt und bemüht ist, allen Kindern die Möglichkeit der vollen sozialen Teilhabe am gemeinsamen Leben zu geben. Inklusive Bildungseinrichtungen sind durch eine Kultur gekennzeichnet, die durch Anerkennung und Wertschätzung von Unterschiedlichkeit und durch die Bereitstellung von Angeboten für alle Kinder auf ihren jeweiligen Entwicklungsständen geprägt ist.“

Mit einer Resolution für eine gute inklusive Bildung ist der 8. Kongress „Bewegte Kindheit“ in Osnabrück zu Ende gegangen. Verlesen von Kongressausschuss-Mitglied Dr. Heinz Hundeloh von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen stieß diese auf große Zustimmung der rund 3.000 KongressteilnehmerInnen.

Die insgesamt fünf Punkte der Resolution umfassen ebenso pädagogische Grundpositionen zu einer inklusiven, gesundheitsfördernden und bewegten Bildung wie auch bildungspolitische Forderungen zu einer Verbesserung der Rahmenbedingungen:

 „Eine zeitgemäße und qualitativ gute Bildung gibt es nicht zum Nulltarif. Sie benötigt ausreichende Ressourcen, d.h. Geld und gut qualifiziertes Personal.  Diese Ressourcen muss die Politik auf der Bundes-, Landes- und Kommunalebene so schnell wie möglich im erforderlichen Umfang zur Verfügung stellen, wenn man die einzige Ressource, die Deutschland hat, nämlich Bildung nicht Preis geben will.“

Standing Ovations für Inklusives Musical
Neben der Resolution und einem Film mit Impressionen der drei Tage sorgte auf der Abschlussveranstaltung des Kongresses insbesondere auch ein Ausschnitt aus dem inklusiven Musical „Magic Journey“ der „Patsy- & Michael-Hull-Foundation“ für Begeisterung und Standing Ovations des Publikums. Unter dem frisch-fröhlichen Motto „Gemeinsam werden wir das Schiff schon schaukeln“  sangen, tanzten und stepten Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, Große und Kleine, Menschen mit und ohne Handycaps gemeinsam auf der Bühne und versinnbildlichten ein ganz selbstverständliches und unverkrampftes Miteinander.

Zusammen mit zahlreichen Vorträgen, Seminaren und Workshops zum Thema Inklusion trug das Musical zu einer Haltung bei, die Unterschiedlichkeit und Vielfalt tatsächlich als Chance und Ressource in Bildungsprozessen ansieht. Eine solche Haltung wurde neben den notwendigen Rahmenbedingungen wie verbesserte Personalschlüssel und multiprofessionelle Teams als entscheidende Grundvoraussetzung für eine gelingende Inklusion deutlich. Deutlich wurde aber auch, dass auf dem Weg zu einer wirklich inklusiven erste die ersten Schritte getan sind und dass auch Grenzen realistisch ins Auge gefasst werden müssen.

Zum Abschluss wurden auch Kongressleiterin Prof. Dr. Renate Zimmer und ihr Team einmal mehr mit Standing Ovations für ein inhaltlich hochkarätiges Programm und einen organisatorisch reibungslosen Ablauf gefeiert. In zwei Jahren wird voraussichtlich Anfang März der 9. Kongress „Bewegte Kindheit“ stattfinden – und viele der diesjährigen KongressteilnehmerInnen werden sich dann wiedersehen und die von Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Dr. Gabriele Heinen-Kljajic so benannte „Erfolgsgeschichte“ des Kongresses fortschreiben.

Abschluss

Mit Standing Ovations wurde das Kongress-Team rund um Prof. Dr. Renate Zimmer (ganz links) gefeiert

Resolution im Wortlaut

Die im Rahmen des Kongresses diskutierten Forderungen an die Bildungspolitik wurden in Form einer Resolution bei der Abschlussveranstaltung vorgetragen und unter großem Beifall aller Kongressteilnehmer/innen verabschiedet:

 
1.    Eine gute Bildung ist eine gesundheitsförderliche Bildung. Wer eine gute Qualität der Kindertageseinrichtungen und Schulen fordert, muss die Gesundheit in den Bildungseinrichtungen fördern. Mit ausgebrannten und überlasteten Erzieherinnen , Erziehern und Lehrkräften und mit Kindern, die sich in ihrer Haut immer häufiger nicht wohlfühlen, kann eine hohe Qualität der Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen vielleicht kurzfristig, aber sicherlich  nicht dauerhaft  erreicht werden. Erforderlich sind Rahmenbedingungen,  ist  eine Lern- und Arbeitswelt, sind Strukturen und Prozesse, die nicht belasten, sondern die pädagogische Arbeit unterstützen.

 2.    Eine gute Bildung ist eine bewegte Bildung, die der physischen Dimension, also Bewegung, Sport und Spiel, aber auch Tanz, Theater und Musik einen hervorgehobenen Stellenwert einräumt. Bewegung ist die Basis kindlicher Bildungsprozesse. Sie muss deswegen als Prinzip des Lernens den Alltag der Kindertageseinrichtungen und Schulen durchdringen. Sie darf nicht nur Gegenstand spezieller Bewegungsangebote, wie zum Beispiel des Sportunterrichts, sein, sondern muss Bestandteil aller Lernprozesse in den Kindertageseinrichtungen und Grundschulen sein.

3.    Eine gute Bildung ist eine inklusive Bildung, die keinen Menschen ausschließt und bemüht ist, allen Kindern die Möglichkeit der vollen sozialen Teilhabe am gemeinsamen Leben zu geben. Inklusive Bildungseinrichtungen sind durch eine Kultur gekennzeichnet, die durch Anerkennung und Wertschätzung von Unterschiedlichkeit und durch die Bereitstellung von Angeboten für alle Kinder auf ihren jeweiligen Entwicklungsständen geprägt ist. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass Kinder mit Beeinträchtigungen die gleichen Bedürfnisse nach Liebe, Geborgenheit, Anerkennung, Autonomie und Wertschätzung wie Kinder ohne Beeinträchtigungen haben. Sie haben aber einen höheren und vielleicht auch anderen Bedarf an Unterstützung, um diese Bedürfnisse befriedigen zu können. Inklusive Bildung ist in enger Verbindung mit übergreifenden Werten wie Gleichheit, Partizipation und gesellschaftlicher Teilhabe sowie Respekt vor Vielfalt und Nachhaltigkeit zu sehen.Inklusion bedeutet aus dieser Perspektive, aktiv gegen Diskriminierung, Benachteiligung und Exklusion einzutreten und beschreibt damit einen dauerhaften Entwicklungsauftrag für eine inklusive Bildungseinrichtung.

Aber:  Inklusion darf aber nicht um der Inklusion willen sein – sie würde sonst auf dem Rücken der Kinder und des pädagogischen Personals umgesetzt werden. Notwendig sind gute Konzepte und eine entsprechende personelle, räumliche und sächliche Ausstattung.

4.    Eine zeitgemäße und qualitativ gute Bildung gibt es nicht zum Nulltarif. Sie benötigt ausreichende Ressourcen, d.h. Geld und gut qualifiziertes Personal.  Diese Ressourcen muss die Politik auf der Bundes-, Landes- und Kommunalebene so schnell wie möglich im erforderlichen Umfang zur Verfügung stellen, wenn man die einzige Ressource, die Deutschland hat, nämlich Bildung nicht Preis geben will. Diese Erfordernisse für eine gelungene Bildung  sind jedoch noch nicht in den Köpfen aller Verantwortlichen – Dienstherren wie Politiker – angekommen. Bisher wird eher versucht, die notwendigen Ressourcen klein zu reden. Diese Ressourcen von der Politik einzufordern, muss deshalb eine vorrangige Aufgabe aller Institutionen und Organisationen, aber auch Personen sein, die sich der Bildung und dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlen oder Verantwortung dafür tragen.
 
5.       Eine gute Bildung gibt es nicht ohne das Engagement des pädagogischen Personals in den Kindertageseinrichtungen und Schulen, denn sie sind die Gestalter des pädagogischen Alltags und die Organisationsentwickler ihrer Einrichtungen.  Dieses Engagement ist nicht zuletzt auch deshalb wichtig, weil wir nicht davon ausgehen können,  dass  sich die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so schnell und grundlegend ändern, wie es nötig wäre.   Es ist unwahrscheinlich, dass  z.B. von politischer Seite die personalen und finanziellen Ressourcen im erforderlichen Umfang kurzfristig aufgestockt werden und dass Eltern aller sozialer Gruppen realisieren, wie notwendig eine drastische Reduktion des Fernsehkonsums oder eine Reduzierung ihres Ehrgeizes im Hinblick auf den Bildungserfolg ihrer Kinder ist.