Projekte der Arbeitsgruppe Prof. Dr. Renate Zimmer (Universität Osnabrück und nifbe) zur Integration von Kindern, Familien und jungen Menschen mit Fluchterfahrungen

Seit über einem Jahr engagiert sich die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Renate Zimmer in der Arbeit mit geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Familien in Osnabrück.

Dazu gehören folgende Projekte:

Sprachliche Bildung für Kinder und Familien mit Fluchthintergrund

Bewegungsorientierte Sprachbildung für Kinder im Flüchtlingshaus Osnabrück

Einmal wöchentlich führen Mitarbeiterinnen der Arbeitsgruppe ein bewegungsorientiertes Sprachbildungsangebot für die Kinder aus der Elementarbetreuung des Flüchtlingshauses Osnabrück / Landesaufnahmebehörde für Asylbewerber durch. Aufbauend auf dem Konzept Bewegte Sprache wird das Angebot unter besonderer Berücksichtigung des Mehrsprachenerwerbs und der Lebenssituation der geflüchteten Kinder gestaltet.

Bewegungsorientierte Sprachbildung für geflüchtete Eltern und Kinder unter 3 Jahren

Regelmäßig wird im Flüchtlingshaus Osnabrück eine Eltern-Kind-Gruppe zur bewegungsorientierten Unterstützung der Sprachentwicklung angeboten. Das Angebot bietet einen Raum, in dem die Eltern das sprachanregende Potential von Bewegung, Spiel und Gesang kennen lernen und gemeinsam mit ihren Kindern erfahren.

Vorleseangebote für geflüchtete Mütter und Kinder aus den Gemeinschaftsunterkünften in Osnabrück

Um den in den Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten geflüchteten Kindern und Müttern den Zugang zu Bildung und Teilhabe zu erleichtern, macht die Arbeitsgruppe regelmäßig Angebote zur Sprach- und Leseförderung nahe der Unterkünfte. Nach einer anfänglichen Phase der Eingewöhnung sowie ersten kontinuierlichen Erfahrungen mit der Lese- und Buchkultur wurde das Angebot für nicht geflüchtete Mütter und Kinder aus dem Stadtteil geöffnet. Um die Integration zu unterstützen, strebt das Projekt langfristig die Eingliederung in bereits bestehende öffentliche Bildungsangebote, wie z.B. in „LOSlesen – Leseförderung von Anfang an“, ein Projekt der Bibliotheken in der Region Osnabrück, an.

(Dieses Angebot wird gefördert durch die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte).

Die o.a. Angebote werden von folgenden Mitarbeiterinnen der Arbeitsgruppe durchgeführt:


Elisabeth König, MA Motologin und Sportwissenschaftlerin
Marina Kuhr, MA Bewegungswissenschaftlerin und Sport- und Deutschlehrerin
Julia Lieske, MA Rehabilitationswissenschaftlerin und akademische Sprachtherapeutin

Sport mit Osnabrücker Flüchtlingen (SmOF)

Mitarbeiter/innen der Arbeitsgruppe (Daniel Wangler, Ines Weiden) sowie weitere 40 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer – überwiegend Sportstudierende – engagieren sich im Rahmen des Praxisprojekts „Sport mit Osnabrücker Flüchtlingen“ (SmOF), das Daniel Wangler und Ines Weiden Ende 2014 ins Leben gerufen haben.
SmOF hat es sich zum Ziel gesetzt, Geflüchteten in Osnabrück die dauerhafte und regelmäßige Möglichkeit zu schaffen sich zu bewegen, weiterhin soll eine Partizipation an öffentlichen Sportveranstaltungen sowie der Austausch zwischen beheimateten und geflüchteten Menschen im Kontext Bewegung, Spiel und Sport ermöglicht werden.

Im Verlaufe des letzten Jahres sind verschiedene Sportgruppen entstanden, von denen nachfolgend eine Auswahl dargestellt wird:

Bouldergruppe

Seit Oktober 2015 bieten fünf Studierende wöchentlich Bouldern in der Zenit-Boulderhalle an. Gemeinsam mit (jungen) Erwachsenen im Alter von 14 bis 40 Jahren wird während des regulären Betriebs gebouldert, sodass auch ein Austausch mit anderen SportlerInnen gefördert wird.

Schwimmgruppe

Seit November 2015 wird alternierend im Zwei-Wochen-Rhythmus ein Schwimmkurs für Kinder und Frauen angeboten. Sechs Studierende führen die Kinder an das Element Wasser heran und vermitteln auf spielerische Weise erste Schwimmtechniken. Auch bei den Frauen steht eine spiel- und spaßorientierte Herangehensweise im Fokus.

Tischtennisgruppe

Im November 2015 ist in einer Gemeinschaftsunterkunft im Stadtgebiet eine Tischtennisgruppe entstanden. Einmal die Woche spielen Studierende gemeinsam mit geflüchteten jungen Erwachsenen der Unterkunft Tischtennis auf dem Hof bzw. in der Unterkunft.

Angebote in der Erstaufnahmeeinrichtung/ im Flüchtlingshaus Osnabrück

Seit Februar 2015 fahren jeden Mittwochnachmittag Projektmitarbeitende in das Flüchtlingshaus am Natruper Holz und gestalten dort einen Spiel- und Sportnachmittag für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren. Im Oktober ist zudem eine Ballsportgruppe entstanden, in der gemeinsam mit jungen Erwachsenen Basketball und Fußball gespielt wird. Beide Gruppen im Flüchtlingshaus sind derzeit aufgrund der geringen Bewohnerzahl ausgesetzt, die Ballsportgruppe findet nun alternativ für die BewohnerInnen der Landwehrstraße in Eversburg statt.

Team Welcome Osnabrück

Mit dem Start der Uni-Liga 2015 hat sich das SmOF Fußball-Team Welcome Osnabrück gegründet. Ein gemischtes Team aus Sportstudierenden, Geflüchteten aus dem Stadtgebiet sowie unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen nimmt auch in den Sommermonaten 2016 wieder jeden Dienstag an der Uni-Liga teil. Jeden Freitag trifft sich das Team zudem zum Training auf dem Sportplatz in der Jahnstraße.

Parkour-Gruppe

Gemeinsam mit Übungsleitern des Zentrums für Hochschulsport sowie der Initiative FreizeitFürFlüchtlingskinder (FFF) wurde seit Januar 2015 einmal im Monat Parkour im Sportzentrum für Kinder und Jugendliche der Erstaufnahmeeinrichtungen in Osnabrück und Bramsche-Hesepe angeboten. Auf diese Aktion blicken wir dankbar zurück und planen derzeit ein neues monatliches Bewegungsangebot in Kooperation mit FFF.

Weitere Informationen sind auf der Projekt-Homepage http://www.projekt-smof.de einzusehen.

 

 

Renate Zimmer in Japan und Südkorea

Renate Zimmer in Japan und Südkorea

Im Frühjahr 2016 befand sich Prof. Dr. Renate Zimmer auf einer zweiwöchigen Vortrags- und Studienreise in Japan und Südkorea . Sie besuchte dabei Kindergärten in Tokio und Kyoto und diskutierte an Universitäten mit WissenschaftlerInnen und angehenden PädagogInnen aktuelle Themen der frühkindlichen Bildung. Im Fokus standen dabei insbesondere der Umgang mit den (neuen) Medien, der Bewegungsmangel im Alltag oder die Erwartungen der Eltern an die KiTas sowie die jeweiligen Unterschiede zwischen den Ländern. In Seoul hatte Renate Zimmer darüber hinaus auch das „Rehabilitation Centrum“, eine große ambulante Einrichtung für die (auch psychomotorische) Therapie von Menschen mit Behinderungen, bei der Neugestaltung des Außenspielbereichs beraten.

Renate Zimmer in Japan und Südkorea

Bild oben: Prof. Dr. Renate Zimmer (4. v.l. oben) beim Besuch eines Kindergartens in der Nähe von Kyoto

Renate Zimmer in Japan und Südkorea

Bild oben: Gastvorlesung an der Partneruniversität EWHA in Seoul/Südkorea

Kongress Bewegte Kindheit 2016

Osnabrücker Kongress „Bewegte Kindheit" mit 3.000 TeilnehmerInnen farbenfroh eröffnet

Jonglage Rhythmus, Tanz, Artistik – mit bewegten und bewegenden Künsten des „Kinderzirkus Luftikus" der Grundschule Bissendorf ist vor 3.000 TeilnehmerInnen der 10. Kongress „Bewegte Kindheit" in der OsnabrückHalle fröhlich und farbenfroh eröffnet worden. Der gemeinsam von Universität Osnabrück und dem Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) veranstaltete und seit Monaten ausgebuchte Kongress ist bundesweit die größte und renommierteste Veranstaltung zur frühkindlichen Bildung und Entwicklung. Über drei Tage stehen mehr als 150 Vorträge, Seminare und Workshops auf dem Programm. Im thematischen Fokus des diesjährigen Kongresses steht die Frage, wie durch Bewegung, Spiel und Sport die soziale Teilhabe und Inklusion von Kindern gefördert werden kann. Ein eigenes Forum wird dabei auch beleuchten, wie Kinder aus geflüchteten Familien von Anfang an pädagogisch begleitet, im Hier und Jetzt ankommen und dabei auch die deutsche Sprache lernen können.

Kongressleiterin Prof. Dr. Renate Zimmer wies entsprechend zur Begrüßung auf die „hohe bildungspolitische Aktualität des Jubiläumskongresses in turbulenten Zeiten“ hin. ErzieherInnen, die oftmals unter ungenügenden Rahmenbedingungen hohen Ansprüchen gerecht werden sollten, seien nun herausgefordert, die Integration von Kindern mit Fluchterfahrung von Anfang an zu gewährleisten: „KiTas als Orte der sozialen und kulturellen Vielfalt sind hierfür ohne Frage ideal geeignet, brauchen aber entsprechende Ressourcen und Unterstützungsangebote“ unterstrich sie. Wichtig sei, „zunächst einmal einen guten Zugang zu den Kindern zu finden, Beziehungen zwischen Kindern und pädagogischer Fachkraft aufzubauen und Interaktionen zwischen den Kindern zu stärken.“ Der Erwerb der deutschen Sprache gelinge umso besser, je mehr dies an authentische, bedeutsame Situationen geknüpft sei und je mehr die Sprachlernsituationen in motivierende Kontexte eingebunden sind – auch hier komme der Bewegung eine besondere Bedeutung zu.

 

 

Grundsätzlich unterstrich Zimmer die Bedeutung von Spiel, Sport und Bewegung, um soziale Nachteile auszugleichen und die Inklusion zu befördern. Hiermit könnten die individuellen Stärken und Ressourcen eines jeden Kindes entfaltet und ihr Selbstwirksamkeits- und damit ihr Selbstwertgefühl gestärkt werden – und zwar unabhängig vom sozialen Status und dem elterlichen Bildungshintergrund.

 

"Wir wollen das schaffen!"

Scharfe Kritik übte die Kongressleiterin an der Flüchtlingspolitik vieler europäischer Länder: „Jedes Kind hat das Recht auf Bildung und Teilhabe und dafür setzen wir uns ein“. Für ihr abschließendes kämpferisches „Wir wollen das schaffen!“ bekam sie Standing Ovations der 3.000 TeilnehmerInnen.

Bettina Bundszus-Cecere, Abteilungsleiterin für Kinder und Jugend im Bundesfamilienministerium, dankte Prof. Dr. Renate Zimmer als Erstes „für ihre Worte, ihre Haltung und ihren Mut“ und lobte die „wichtige und richtige Themenwahl des Kongresses“. Nach dem quantitativen Ausbau der KiTas komme es nun darauf an, konsequent die Qualität zu verbessern, um „gute Bildung und Teilhabechancen für alle Kinder von Anfang an“ zu gewährleisten. Der Bund unterstütze die Qualitätsentwicklung unter anderem derzeit durch das Programm „Kita Plus“, mit dem zum Beispiel Alleinerziehenden oder Schichtarbeitern passgenauer Betreuungszeiten geboten werden sollen, durch ein Programm zur Kindertagespflege und durch die Weiterführung des Programms der Sprach-KiTas, mit denen die Sprachförderung insbesondere von Kindern mit Migrationshintergrund verbessert werden soll.

 

 

 

800.000 neue KiTa-Plätze und Qualitätsoffensive notwendig

Eine neue Herausforderung stellten nun die Kinder mit Fluchterfahrungen dar. Grundsätzlich gelte: „Je mehr und je früher diese Kinder in die KiTas kommen, Deutsch lernen und Freunde finden, umso besser.“ Die KiTa biete die Chance, über die Kinder auch die Integration der ganzen Familie auf den Weg zu bringen. Allerdings müssten für die Kinder mit Fluchterfahrungen in den nächsten Jahren 800.000 neue KiTa-Plätze geschaffen und mit einer Qualitätsoffensive verbunden werden, durch die auch der Job der Erzieherin an Attraktivität gewinnen müsse.

„Es ist also noch viel zu tun, um bundesweit gute und gleichmäßige Qualität in den KiTas zu gewährleisten“ resümierte Bundszus-Cecere. Hoffnung setzte sie dabei auf einen runden Tisch mit Vertretern von Bund, Ländern, Kommunen, freien Trägern und Gewerkschaften, der hierzu einen ersten Fahrplan und die Erklärung „Frühe Bildung lohnt sich“ entwickelt habe. Ob am Ende ein Bundesqualitätsgesetz dabei herauskommt, ließ Bundszus-Cecere allerdings offen.

 

Wechselbeziehung von Bildung und Gesundheit

Uwe Meyeringh, Vorstand der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, hob die Bedeutung der Gesundheit von Kindern und ErzieherInnen in seinem Grußwort hervor: „Wer frühkindliche Bildung fördert, muss Gesundheit fördern“ sagte er und wies auf das enge Wechselverhältnis von Bildung und Gesundheit hin. Durch das von Susanne Viernickel und Anja Voss erarbeitete Konzept „Gute gesunde KiTa“ unterstützten die Unfallkassen die präventive Gesundheitsbildung in KiTas ganz konkret. Zudem kündigte Meyeringh einen „hoch dotierten“ Preis für gesundheitsfördernde KiTas an.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang Lücke wie auch Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hoben die „nationale wie internationale hohe Reputation“ des Kongresses Bewegte Kindheit hervor und dankten der Ende März aus dem Universitätsdienst ausscheidenden Renate Zimmer für ihr „unermüdliches Engagement“. Die von ihr etablierte Forschung und der Transfer zur frühkindlichen Bildung und Entwicklung, so Lücke, würden in Kooperation von Universität und nifbe aber weiter geführt. Er setze auf einen „Bewegten Ruhestand“ von Renate Zimmer, so dass „hoffentlich auch der Kongress“ weiter geführt werden könne.

 

Keine Bildung ohne Beziehung

In seinem Eröffnungsvortrag beleuchtete der Neurobiologe und Mediziner Prof. Dr. Joachim Bauer die „Bedeutung kindlicher Beziehungserfahrungen aus neurobiologischer Sicht“. Er unterstrich dabei die zentrale Bedeutung von Haltung und Beziehung in der pädagogischen Praxis: "Der wichtigste Energielieferant für Kinder sind andere Menschen, die mit Interesse und Wohlwollen auf sie schauen.“ In Beziehung zu anderen Menschen aktivierten sich die Motivationssysteme des kindlichen Gehirns in mehrfacher Weise durch die Freisetzung von „Glücks“–Botenstoffen. Bauer resümierte: „Im Zentrum einer guten Beziehung zwischen Kindern und ihren pädagogischen Begleitern stehen Spiegelungs- und Resonanzprozesse. Kinder und Jugendliche erleben, welche Resonanzen sie in ihren pädagogischen Bezugspersonen auslösen. Die Resonanzen, die sie in Erwachsenen hervorrufen, kehren zum Kind zurück und prägen seine Entwicklung."

 

 

„Je kleiner die Kinder, desto schwieriger und anspruchsvoller ist der Job!“

Aufgrund „gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse“ seien die ersten beiden Lebensjahre eine besonders sensible Phase, in der prompte Resonanz und Spiegelung der Erwachsenen notwendig seien. Daher bräuchten Kinder bis zum 24. Monat in der Krippe einen Mindestschlüssel von 1 Erzieherin zu 3 Kindern. Er schloss unter dem stürmischen Applaus der Fachkräfte: „Je kleiner die Kinder, desto schwieriger und anspruchsvoller ist der Job!“

Dr. Karsten Herrmann

 


Bildungsministerin Wanka: Inklusion und Bildungsgerechtigkeit als Ziel

Zum Auftakt des zweiten Kongresstages der „Bewegten Kindheit!“ in Osnabrück begrüßte Bildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka die 3.000 Pädagogischen Fachkräfte. Sie zollte dem innovativen Ansatz des mitveranstaltenden Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) Respekt und äußerte „große Sympathie für das, was das nifbe mit seinem Motor Renate Zimmer in den letzten Jahren geleistet habe.“ Explizit benannte sie dabei den „ungeheuer schwierigen flächendeckenden Transfer“ von neuen Forschungsergebnissen und –konzepten in die Praxis der KiTas. Als zentrale Aufgabe und Herausforderung im frühkindlichen Bereich hob sie die Inklusion und soziale Teilhabe aller Kinder und damit die Verwirklichung von Bildungsgerechtigkeit hervor.

 

 

 

 

Bewegung und Sport unterstützen soziale Teilhabe

Bewegung, Spiel und Sport, so die Bildungsministerin, seien dabei ideale Ansatzpunkte, um die soziale Teilhabe und Inklusion zu unterstützen. Dies zeige der Kongress an vielen Beispielen auf. Besonders beeindruckt zeigte sie sich von den aktuellen Projekten von Prof. Dr. Renate Zimmer, mit denen geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Erstaufnahmeeinrichtungen ein Ankommen im Hier und Jetzt und der erste Kontakt mit der deutschen Sprache geboten werde. Die nun zunehmend in die KiTas kommenden Kinder mit Fluchterfahrungen seien eine „große Herausforderung“ für die Bildungspolitik, der Bund und Länder mit einer konzertierten Aktion begegnen müssten.

Schon jetzt fördere ihr Ministerium die frühkindliche Bildung mit verschiedenen Programmen und Projekten führte die Bildungsministerin aus. Angesichts der Erkenntnis, dass viele Sprachförderprogramme bisher nicht gewirkt hätten, sei gemeinsam mit den Ländern so die Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BISS) gestartet worden, um zielgerichtet wirksamere Konzepte zu entwickeln. Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WIFF) unterstütze insbesondere Aus- und WeiterbildnerInnen in der frühkindlichen Bildung und das breite Programm „Kultur macht stark“ versuche insbesondere Kinder aus bildungsfernen Familien zu erreichen. In jedem dritten Projekt spiele dabei auch die Bewegung eine zentrale Rolle. Diese und weitere Erkenntnisse der Bildungsberichterstattung unterstrichen die Bedeutung der Bewegung, sowohl für eine gelingende soziale und kulturelle Inklusion wie auch für gelingende Übergänge zwischen den Bildungseinrichtungen.

„Hochachtung“ zollte die Bildungsministerin auch angesichts der neuen Herausforderung durch Flüchtlingskinder der „Leistung von ErzieherInnen“ und appellierte abschließend: „Wir müssen uns alle kümmern und einmischen und genau dazu müssen wir auch unsere Kinder und Jugendlichen motivieren“.

 

Bildungspotenzial von Bewegung

Wie Bewegung bildet und zur Inklusion beitragen kann, zeigte dann Kongressleiterin Prof. Dr. Renate Zimmer in ihrem Vortrag mit vielen bewegenden Bildern und freute sich über die Gelegenheit, ihre Botschaft „gleich an die Spitze der Bildungspolitik“ übermitteln zu können. Bewegung sei der Ausgangspunkt für die Aneignung der Welt und in den ersten Jahren, ideal „um Kraftquellen zu erschließen und Ressourcen jedes einzelnen Kindes zu entfalten“. Sie hob das Bildungspotenzial von Bewegung insbesondere auch im Hinblick auf die Integration von Kindern mit Fluchterfahrung von Anfang an hervor. Hierüber könne auch die deutsche Sprache als „Schlüssel zur Integration und Bildung“ vermittelt werden. Die im Rahmen des nifbe entwickelten Sprachförderansätze würden daher auch in den Alltag der KiTa integriert und setzten bei den Stärken der Kinder wie zum Beispiel auch der Lust an Bewegung an. „Sprachförderung benötigt authentische, für das Kind bedeutsame Situationen, sie muss dialogisch orientiert sein und mit viel Mimik und Gestik begleitet werden“ fasste sie zusammen. Zimmer stellte auch neue Zugänge zum Lesen über Bewegung vor, die in den beiden Projekten „Geschichten bewegen“ und „LOSlesen“ erprobt und sehr positiv evaluiert worden seien.

In einem anschließenden Rundgang mit Prof. Dr. Renate Zimmer informierte sich Bildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka unter anderem am nifbe-Stand über die neuesten Publikationen für den Transfer und diskutierte mit der Institutsdirektorin über die aktuellen Entwicklungen und Pläne im nifbe.

Dr. Karsten Herrmann

 


Großes Finale beim Kongress Bewegte Kindheit mit Bundespräsident a.D. Christian Wulff

Mit einer emotionalen und von fantastischer Stimmung getragenen Abschlussgala ging der 10. Kongress „Bewegte Kindheit“ am Samstag nach drei Tagen und über 150 Vorträgen, Seminaren und Workshops zu Ende – und mit Standing Ovations und mancher kleinen Träne verabschiedeten die 3.000 Pädagogischen Fachkräfte auch Renate Zimmer als Leiterin und Herzstück des Kongresses.

Die Nerven des Kongresspublikums traf Bundespräsident a.D. Christian Wullf mit seinem von Humanität und Toleranz geprägten Abschlussvortrag, der sich auch zentralen Themen der frühkindlichen Bildung widmete. Zu Beginn richtete er jedoch schon eine kleine Hommage an Kongressleiterin Renate Zimmer: „Sie haben wirklich Großes geleistet in den letzten 25 Jahren.“ Zimmer habe als eine der ersten die frühkindliche Bildung hoffähig gemacht, einen der größten Bildungskongresse in Europa etabliert und das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) zu einem bundesweiten Vorreiter in der Verbindung von Forschung und Praxis gemacht.

Dann widmete sich Wulff der durch Terror, Kriege und Flüchtlingsströme beherrschten aktuellen Situation in der Welt und einer „großen Verunsicherung“, die Deutschland ergriffen habe“. „Wir dürfen uns nicht spalten lassen und in vergangen geglaubte Zeiten zurückfallen“ rief er dem Publikum zu und unterstrich die „unantastbare Würde und die Freiheit eines jeden einzelnen Menschen in unserem Land“. Im Hinblick auf die nach Europa flüchtenden Menschen sagte er „Für ein Volk von 500 Millionen Europäern sollte es doch kein Problem sein, 3 Millionen Flüchtlinge aufzunehmen. Das muss doch zu schaffen sein!“

 

 

"Kinder Kinder sein lassen!"

Eindringlich plädierte der ehemalige Bundespräsident in diesem Sinne auch dafür, „unsere Kinder zu einer weltoffenen, neugierigen Haltung zu erziehen“ – in Familie, KiTa und Vereinen. Dann seien sie der „Schlüssel für eine bessere Welt“. Er kritisierte den „Optimierungswahn bei Kindern“, der „eine Welle von Arzt- und Therapeutenbesuchen“ zur Folge hätte. Er habe in den vergangenen Jahren selber gelernt, dass „eine gelassene Beziehung wichtiger ist als hektische Erziehung. Wir sollten unserer „Kinder Kinder sein lassen“ folgerte er unter dem Applaus der KongressteilnehmerInnen.

Zum Schluss hatte Wullf noch ein dickes Lob für die frühpädagogischen Fachkräfte parat, die „vieles auf- und abfangen müssen, was in den Familien schief läuft“ und die eine „ungeheuer große Verantwortung“ tragen würden: „Ihre Arbeit kann gar nicht genug gewertschätzt werden, denn in den ersten Jahren werden die entscheidenden Grundlagen für die gesamte spätere Biographie gelegt“ sagte Wulff.

 

Rückblick 25 Jahre Kongress und Würdigung Renate Zimmer

Einen kurzweiligen Ausflug in die 25jährige Kongressgeschichte unternahmen Heinz Hundeloh und Prof. Dr. Ina Hunger vom Kongressausschuss. Die „Bewegte Kindheit“ sei immer „ein Spiegelbild der Frühkindlichen Bildung“ gewesen, in dem sich auch Umbrüche und ein stetiger Bedeutungszuwachs ablesen ließen. Im Fokus hätte dabei die Trias aus „Bildung, Gesundheit und Bewegung“ gestanden, ab 2013 auch zusätzlich die Inklusion mit all ihren Facetten der Verschiedenheit – bis aktuell hin zu den Kindern mit Fluchterfahrung in der KiTa. Ina Hunger resümierte: „Der Kongress Bewegte Kindheit ist eine einmalige Erfolgsgeschichte mit internationaler Strahl- und Leuchtkraft“ und dies sei Prof. Dr. Renate Zimmer zu verdanken – mit ihrer „ausgewiesenen Kompetenz“, mit ihrer „zwischenmenschlichen Wärme“ und ihrer „heißen Leidenschaft bei bildungspolitischen Themen oder auch bei einem abendlichen Tanz auf dem Parkett.“ All das vereine sich zu einem „großartigen und nachhaltigen Schaffen, kurz: Renate Zimmer bewegte die frühe Kindheit!“

 

"Frei werdende Energie" wird für frühkindliche Bildung eingesetzt

Und so wurde die Ende März aus dem Universitätsdienst ausscheidende, aber nifbe-Direktorin bleibende Prof. Dr. Renate Zimmer schließlich in einem großen Bühnenfinale mit Gesang, Konfettiregen und Standing Ovations der 3.000 TeilnehmerInnen verabschiedet. Ob und wann es einen nächsten Kongress Bewegte Kindheit geben wird, blieb dabei in den Sternen. Aber eines versprach Renate Zimmer dem Publikum: „Die mit meinem Universitätsabschied frei werdende Energie werde ich für Sie einsetzen!“

Dr. Karsten Herrmann

Pressemeldungen 2016

Um eine Pressemitteilung vollständig anzuzeigen und zu vergrößern, klicken Sie bitte auf den jeweiligen Artikel.

„Familie, Tradition und Kulinarisches – So feiert die Osnabrücker Prominenz Weihnachten 2016“, Neue Osnabrücker Zeitung, 24.12.2016
„Ganzheitlicher Zugang zur Sprache – Projekt zur Sprachbeobachtung im Osnabrücker Land gestartet“, Neue Osnabrücker Zeitung, 20.12.2016
Renate Zimmer holte Publikum in Dissen aus den Stühlen“, Neue Osnabrücker Zeitung, 15.09.2016 
Uni Osnabrück verabschiedet Renate Zimmer in den Ruhestand“, Neue Osnabrücker Zeitung, 07.04.2016
Kongress-Bummel „Bewegte Kindheit“ – Paula kaut Kaugummi – nicht nur in Osnabrück“, Neue Osnabrücker Zeitung, 04.03.2016
Kongress „Bewegte Kindheit“ eröffnet – „Europa missachtet die Kinderrechte““, Neue Osnabrücker Zeitung, 03.03.2016
Leseförderprojekt zieht positive Zwischenbilanz“, Neue Osnabrücker Zeitung, 05.02.2016

 

 

Schweizer Delegation zu Gast beim nifbe

Schweizer Delegation zu Gast beim nifbe

Die Zusammenarbeit intensivieren und gemeinsame Forschungsprojekte konzipieren – so lautet das Fazit einer zweitägigen Konferenz zwischen Wissenschaftler/innen der Forschungsstelle Bewegung und Psychomotorik des nifbe, der Arbeitsgruppe Sportpädagogik der Universität Osnabrück und der Züricher Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH).

Auf Initiative der Leiterin der Abteilung Pädagogisch-therapeutische Berufe der HfH, Prof. Susanne Amft und der Leiterin der Forschungsstelle Bewegung und Psychomotorik, Prof. Dr. Renate Zimmer kamen die Teilnehmer zur internationalen Forschungskonferenz zusammen. Für zwei Tage besuchte die Schweizer Delegation die Forschungsstelle in Osnabrück.

Im Vordergrund standen Fragen evidenzbasierter Forschung im Bereich der Bewegung und Psychomotorik. So entstand ein intensiver Austausch über abgeschlossene und künftige Projekte der Forschungsstelle Bewegung und Psychomotorik und der HfH Zürich. Geplant ist auch ein Erasmus-Kooperationsvertrag zwischen beiden Hochschulen.

Konferenzteilnehmer/innen
Konferenzteilnehmer/innen v. l.: MSc. Kathrin Hensler Häberlin, M.A. Nadine Matschulat, Prof. Dr. Renate Zimmer, Dipl. Psych. Brigitte Ruploh, Dr. Beatrice Uehli Stauffer, Reinhard Sliwka, Prof. Susanne Amft, Dipl. Mot. Peter Keßel