Geschlechtsspezifische Körper- und Bewegungssozialisation in der frühen Kindheit

 

Bewegungsaktivitäten haben im Kontext der geschlechtsspezifischen Sozialisation eine besondere Bedeutung. Zum einen werden Jungen und Mädchen in Hinblick auf Körper, Bewegung und Sport unterschiedlich sozialisiert (und erzogen), insofern ihnen z. B. unterschiedliche Aktivitäten und somit Erfahrungsmöglichkeiten angeboten oder zugestanden werden, ihnen andere Identifikationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen etc. Zum anderen bieten Bewegungsaktivitäten den Kindern aber auch viele Gelegenheiten, sich in ihrer Geschlechterrolle zu inszenieren.

In Bezug auf geschlechtstypische Bewegungsaktivitäten, körperliche Merkmale und Fähigkeiten etc. haben Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren bereits ein umfangreiches Wissen gespeichert. Das heißt, sie wissen, was – im Kontext von Bewegung und Körper – bei dem jeweiligen Geschlecht als ‚normal’ oder ‚abweichend’ gesehen wird, sie können unterscheiden, welche Verhaltenseigenschaften im o.g. Kontext als typisch oder untypisch bewertet werden etc. Bewusst oder unbewusst kann dieses Wissen ihr Denken und Handeln im Alltag orientieren. Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich bis zum Schuleintrittsalter oftmals geschlechtstypische Bewegungsinteressen, körperbezogene Interaktionsstile und sportliche Handlungsmuster bereits entwickelt haben und die verinnerlichten Vorstellungen von ‚männlich und weiblich sein’ im Kontext von Bewegungsaktivitäten orientierungswirksame Funktion haben.

Welche geschlechtsbezogenen Vorstellungen vier- bis sechsjährige Mädchen und Jungen in Hinblick auf Körper und Bewegung entwickelt haben, welche Inszenierungsformen Mädchen und Jungen wählen, um ihrer Geschlechterrolle im Kontext von Bewegungsaktivitäten Ausdruck zu verleihen oder inwiefern sich im Kindergartenalter typische Geschlechterdifferenzen im Kontext von Bewegungsaktivitäten bereits auf der Verhaltensebene konkret zeigen, ist empirisch bislang noch nicht systematisch untersucht worden.

Projekt:

Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen

 

Die Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen von Kindern ist ein wesentlicher Bildungsbereich in allen pädagogischen Institutionen. Sozial-emotionale Fähigkeiten stellen die Grundlage für den Erwerb weiterer Schlüsselkompetenzen wie bspw. der Sprache dar und bilden somit eine der wichtigsten Voraussetzungen für spätere Bildungschancen.

Die Entwicklung der sozialen Kompetenzen ist ein lebenslanger Prozess, jedoch wird bereits im Kindesalter die Basis für die allgemeine Kommunikationsfähigkeit des Menschen gelegt. Die sozialen Interaktionen in den ersten Lebensjahren haben einen großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Kindes, auf seine psychische und auch physische Gesundheit.

In dem genannten Forschungsbereich sollen insbesondere Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen den Entwicklungsbereichen Bewegung und Wahrnehmung und dem Erwerb sozialer Kompetenzen untersucht werden. Über Bewegungsaktivitäten werden bei den Kindergarten- und Krippenkindern Anlässe zur Interaktion geschaffen, um so die psycho-physische Gesundheit der Kinder zu stärken. Hierbei werden Bereiche wie der Umgang mit dem eigenen Körper, Ausdrucksfähigkeit, Empathie und Rollenübernahme, Umgang mit Konflikten und Gewaltprävention fokussiert. Ein Schwerpunkt bei der Konzeption einer geeigneten Fördermaßnahme liegt zudem in der Integration der Perspektiven der beteiligten ErzieherInnen nach dem nifbe-Gegenstromprinzip: Professionelle Bedürfnisse, Anregungen und Rückmeldungen der Beteiligten werden von Beginn an und fortlaufend in die Gestaltung miteinbezogen.

 

Projekt:

Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen in Bewegung

Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen in Bewegung

Projektleitung:

  • Prof. Dr. Renate Zimmer (Universität Osnabrück, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften)

 

Kooperationspartner:

  • Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, BKK – Landesverband Nordwest
  • FABIDO Familienergänzende Bildungseinrichtungen für Kinder in Dortmund

Projektmitarbeiterinnen:

  • Dipl. Reha-Päd. Ricarda Menke (Uni Osnabrück Institut für Sport und
    Bewegungswissenschaften – Drittmittelprojekt)
  • Dipl. Reha.Päd. Nadine Madeira Firmino(nifbe)
  • Dipl. Psych. Brigitte Ruploh (nifbe)
  • M.A. Sportwiss. Mareike Sandhaus (Uni Osnabrück Institut für Sport und
    Bewegungswissenschaften – Drittmittelprojekt)

 

Laufzeit:

  • 01.10.2010 – 30.06.2014

Das Projekt hat das Ziel, den Erwerb sozial-emotionaler Kompetenzen von Kindergartenkindern durch gezielte Spiel- und Bewegungsangebote zu unterstützen. Es wird durchgeführt in Kooperation mit der FABIDO (Familienergänzende Bildungseinrichtungen für Kinder in Dortmund). 15 städtische Kindertageseinrichtungen (Kitas und Krippen) im Raum Dortmund beteiligen sich aktiv. Über Bewegungsaktivitäten sollen Anlässe geschaffen werden zur Interaktion und Kommunikation (Zimmer, 2010). Sie tragen dazu bei, die psycho-physische Gesundheit der Kinder zu stärken. Über einen ganzheitlichen körper- und bewegungsorientierten Zugang sollen der Umgang mit dem eigenen Körper, die nonverbale und verbale Ausdrucksfähigkeit, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Impulskontrolle, Empathie und Rollenübernahme sowie der Umgang mit Konflikten geübt und verbessert werden.

Projekt-Design

Nach dem Prinzip eines Prä-Post-Designs werden bei über 100 Kindern in den Kindergärten und Krippen quantitative und qualitative Daten zum Sozialverhalten aus Sicht der Erzieherinnen, aus Sicht der Eltern, aber auch aus Sicht der Kinder selber erhoben.

Mit Hilfe von Experteninterviews wurden die pädagogischen Fachkräfte vor Beginn der Intervention zu Alltagsbelastungen durch das Verhalten der Kinder befragt. Auf dieser Datenbasis wurden Projektinhalte konzipiert, die den Erwartungen der Teilnehmerinnen gerecht werden und auf die im Alltag auftretenden Problemlagen eingehen.

Übersicht der Fortbildungsthemen

  1. Grundlagen sozial-emotionaler Entwicklung der ersten 6 Lebensjahre
  2. Wahrnehmung – Bewegung – Entwicklung
  3. Wahrnehmung als Basis für sozial-emotionale Handlungskompetenz
  4. Selbstkompetenz – Selbstregulation – Aggression
  5. Aggression und Selbstregulation – praktische Umsetzungsideen im Bereich „Ringen & Raufen“
  6. Sozial-emotionale Kompetenzen im Kontext Sprache und Kommunikation
  7. Kooperation und Zusammenarbeit mit den kindlichen Bezugssystemen: Elternarbeit

Die wissenschaftliche Evaluation erfolgt in enger Kooperation mit den teilnehmenden PraxisvertreterInnen. Zur Erfassung der sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder werden mittels quantitativer und qualitativer Instrumente zu Beginn und am Ende der Intervention Daten erhoben (Prä-Post- Design) und unterschiedliche Verfahren eingesetzt.

Literatur

  • Zimmer, R. (2010). Handbuch der Sprachförderung durch Bewegung. Freiburg: Herder

Geschlechtsspezifische Körper- und Bewegungssozialisation in der frühen Kindheit

Geschlechtsspezifische Körper- und Bewegungssozialisation in der frühen Kindheit

Projektleitung:

  • Prof. Dr. Ina Hunger
  • Prof. Dr. Renate Zimmer (Phase 1)

MitarbeiterInnen:

  • Steffen Loick
  • Maika Bepperling
  • Nadine-Christin Hohmann
  • Förderphase 1: Oktober 2008 – September 2011
  • Förderphase 2: Oktober 2011 – September 2013

Ausgangspunkt
Die geschlechtsspezifische Sozialisation hat im Kindergartenalter besondere Bedeutung. Einerseits nehmen die auf das Geschlecht bezogenen Erwartungen, Rückmeldungen, Verhaltensinterpretationen etc. der Umwelt zu, da das Kind nun verstärkt an sozialen Praktiken teilnimmt. Gleichzeitig nimmt das Kind seine Umwelt (auch) unter geschlechtsspezifischen Aspekten wahr und interpretiert sie entsprechend. Dem Bereich Körper und Bewegung kommt in diesem Zusammenhang eine hohe Bedeutung zu. Zum einen bietet ‚die’ Umwelt Jungen und Mädchen unterschiedliche körperliche Identifikations- und geschlechtliche Inszenierungsmöglichkeiten an und reagiert auf das Bewegungsverhalten von Jungen und Mädchen potenziell unterschiedlich. Zum anderen werden gerade in dieser Altersstufe Bewegungserfahrungen als äußerst nachhaltig für die Entwicklung des Selbstkonzepts interpretiert.

Untersuchungsziel
Ziel dieser Studie ist es, zu rekonstruieren, welche geschlechtsbezogenen Vorstellungen vier- bis sechsjährige Mädchen und Jungen in Hinblick auf Körper und Bewegung entwickelt haben und inwiefern verinnerlichte Vorstellungen von ‚männlich und weiblich sein’ im Kontext von Bewegungsaktivitäten bereits orientierungswirksame Funktionen haben. Darüber hinaus soll das Problembewusstsein von Eltern und Erzieher/innen in Bezug auf die frühkindliche geschlechtsspezifische Körper- und Bewegungssozialisation exploriert werden. Im Einzelnen wird hier untersucht, mit welchen (geschlechtsbezogenen) Vorstellungen Eltern und Erzieher/innen die Jungen und Mädchen im Bereich Körper und Bewegung (bewusst oder unbewusst) erziehen und sozialisieren.

Untersuchungsdesign

Die Untersuchung ist qualitativ angelegt. Sie orientiert sich im engeren Sinne an der Grounded Theory und ist in verschiedene Teilstudien konzipiert. Der erzieherischen Perspektive nähern wir uns über Leitfaden-Interviews an; die kindliche Perspektive versuchen wir über Impuls-Interviews zu rekonstruieren. Die Analyse des kindlichen Bewegungsverhaltens erfolgt auf der Basis videographischer und teilnehmender Beobachtung. Die Befunde der einzelnen Teilstudien werden sukzessive aufeinander bezogen, um diese auch kontextuell zu deuten.

Erste Ergebnisse (Förderphase 1)

Bei dem derzeitigen Stand der Untersuchung kann grob festgehalten werden, dass die frühkindliche Bewegungssozialisation von Jungen und Mädchen klar zweigeschlechtlich vorstrukturiert wird: Auch wenn individuumsbezogene Sichtweisen und Handlungsstrategien bezogen auf die Kinder bei Eltern und Erzieher/innen stets vorhanden sind, werden vom erzieherischen Umfeld über die Orientierung an der Kategorie Geschlecht den Kindern bereits früh (nach Erreichen einer motorischen Grundsicherheit) ausgewählte Bewegungsbedürfnisse, -motive und -aktivitäten (vielfach) unterstellt bzw. nahegelegt. Der Praxis der Differenzierung der Geschlechter, in der die alten Geschlechterpositionen bewahrt sind, steht allerdings bei vielen Eltern und Erzieher/innen eine Semantik der Gleichheit und Individualität gegenüber.

Bei Jungen scheint das Bild des actionbereiten und wettbewerbsorientierten Kindes präsent und wird vom erzieherischen Umfeld durch entsprechende Bewegungsangebote unterstützt. Ferner werden durch einschlägiges Spielzeug, vor allem aber durch eine allgegenwärtige körpernahe Symbolik (Spiderman, wilde Kerle, Piraten) auf Accessoires und Kleidung, klare Identitätsangebote gemacht. Diese stecken den Erwartungshorizont für ‚Junge sein’ im Kontext des Bewegungsverhaltens einschlägig ab. In bildungsfernen Familien scheint dieses männliche Identitätsangebot noch ausgeprägter zu sein.

Im Alter von ca. vier Jahren zeigen sich die einschlägigen Sozialisationseffekte auf der Verhaltensebene und die verinnerlichten Erwartungen an das Geschlecht vielfach deutlich: Jungen bezeichnen sich selbst – entsprechend ihres verinnerlichten Geschlechterselbstverständnisses – tendenziell als stark, mutig und schnell; zumindest in eigener Abgrenzung zum anderen Geschlecht. Viele Jungen erproben sich ferner in der angebotenen ‚Geschlechterrolle’ auf der Ebene des körperlichen Vergleichs oder auch der Dominanz, des Rumrasens und Lautseins. Da dieses Bewegungsverhalten der Umwelt oftmals als ‚typisch für Jungen’ erscheint, gerät das erzieherische Umfeld wiederum schnell in Versuchung, dieses auch als natürlich, „als angeboren“ zu interpretieren und die Jungen durch entsprechende Angebote weiter in dieser Verhaltensspur zu unterstützen.

Mädchen steht dagegen, so kann grob zusammengefasst werden, zwar prinzipiell alles offen; Wild sein, Power haben, Mutig sein – an all das werden die Mädchen nicht gehindert. Allerdings werden diese Bewegungsmuster jedoch vergleichsweise selten aktiv gefördert oder durch eine entsprechende Symbolik aufgerufen. Stattdessen muss konstatiert werden, dass Mädchen im Familienalltag vornehmlich im Rahmen von kooperativen und kreativen Bewegungsmustern gezielt gefördert werden. Mit zunehmenden Kindergartenalter lernen die Mädchen durch einschlägige Rückmeldungen zudem, dass sie – im Vergleich zu den Jungen – ihre Bewegungsbedürfnisse unterdrücken können. Sie wissen zwar, dass sie kämpfen und wild sein dürfen; sie wissen aber auch, dass diese Bewegungsmuster eigentlich für Jungen und nicht für Mädchen typisch sind. Im Sinne eines Aufbaus einer sozialen geschlechtlichen Identität und nicht zuletzt in Abgrenzung von Jungen verzichten also Mädchen vielfach darauf, die potenzielle Bandbreite ihres Bewegungskönnens bzw. ihrer Bewegungsbedürfnisse zu zeigen: Ein Mädchen formuliert es wie folgt: „Und Mädchen ja auch eigentlich alles können, was Jungen machen. Aber sie wollen das nicht zeigen, weil sie Mädchen sind!“

Nach der Herausarbeitung der Übereinstimmungen in den Mustern der Bewegungssozialisation soll in der zweiten Forschungsphase der Fokus auf die Kinder und Familien gelegt werden, die vom als ‚typisch’ Erachteten abweichen. Darüber hinaus werden die Analyseprozesse schwerpunktmäßig im Hinblick auf das Alter der Kinder vollzogen. Schließlich sollen Arbeitsmaterialien erstellt werden, um die erzieherische Gendersensibilität im Bereich Bewegung zu erhöhen.

 

Projekt „Kinderbewegungsstadt Osnabrück“ (KibS-Osnabrück)

Projekt „Kinderbewegungsstadt Osnabrück“ (KibS-Osnabrück)

Wissenschaftliche Leitung

  • Prof. Dr. Renate Zimmer

 

Leitung/Bürgerstiftung Osnabrück

  • Dr. Klaus Lang

 

ProjektmitarbeiterInnen

  • Tina Böcker-Eden
  • Anja Wege
  • B.A. Ilka Lunau (nifbe)
  • Mareike Sandhaus (Uni Osnabrück Institut für Sport und Bewegungswissenschaften – Drittmittelprojekt)

Übergeordnetes Ziel der „Kinderbewegungsstadt Osnabrück“ ist es, Kinder, Eltern und Familien für eine gesunde und aktive Lebensweise zu sensibilisieren und über vielfältige Bewegungsmöglichkeiten zu informieren. Mit Freude und Spaß sollen Kinder an Bewegungsangebote herangeführt werden.

Besonders in städtischen Gebieten finden Kinder immer weniger Spiel- und Bewegungsräume vor, in denen sie ihre Bewegungsbedürfnisse ausleben können. Dabei ist Bewegung der Motor für die Entwicklung von Kindern. Bewegungserfahrungen ermöglichen das Erleben von Eigenständigkeit und Selbstwirksamkeit und unterstützen die Entwicklung von motorischen Fertigkeiten, kognitiven Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen. Ziel des Projektes ist es daher, mehr selbstverständliche Bewegungsmöglichkeiten in den Alltag einzubauen. Welche Wege können Kinder gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen? Welche Vereine und Institutionen mit Bewegungsangeboten gibt es im jeweiligen Stadtteil?

Auch die Art der Ernährung ist ein wichtiger Grundstein für einen gesünderen Lebensstil von Kindern und steht im Fokus der „Kinderbewegungsstadt Osnabrück“. Folgt man den Zahlen aktueller Studien, so sind insgesamt 15% der Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig. Als Ursache wird Bewegungsmangel und eine zu hohe Energieaufnahme angeführt. Eine gesunde Ernährung für Kinder im Alltag soll auch hier stärker implementiert werden.

Zurzeit wird an einem „KibS-Bewegungskompass“ in Form einer Broschüre gearbeitet. Dieser soll einen Überblick über stadtteilbezogene Bewegungsangebote und öffentlich zugängliche Spiel- und Bewegungsangebote für Kinder im Alter von null bis zwölf Jahren geben. Geplant ist, dass der „KibS-Bewegungskompass“ in Zukunft auch online abzurufen ist.

Das Gesundheitszentrum Bad Laer Stiftung, die BKK PRONOVA und die BKK Landesverband Mitte konnten als Sponsoren für das Projekt gewonnen werden.

Vom Greifen zum Begreifen – Entwicklungsförderung durch Bewegung

Vom Greifen zum Begreifen – Entwicklungsförderung durch Bewegung

Ein Kooperationsprojekt der nifbe-Forschungsstelle mit der Universität Osnabrück, gefördert durch das Niedersächsische Sozialministerium

Projektleitung:

  • Prof. Dr. Renate Zimmer

Projektmitarbeiterin:

  • M.A. Sportwiss. Mareike Sandhaus (Drittmittelprojekt)

Das vom Niedersächsischen Sozialministerium geförderte Modellprojekt „Vom Greifen zum Begreifen – Entwicklungsförderung durch Bewegung“ wurde im Zeitraum vom 01.10.2007 bis 31.12.2009 durchgeführt und hatte die Weiterbildung von Tagespflegepersonen zum Ziel. In der Fortbildungsreihe wurden Themen der frühkindlichen Entwicklung und ihrer Anregungs- und Fördermöglichkeiten durch Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen unter Berücksichtigung der besonderen Situation der Tagespflege behandelt. Sowohl die Ausbildung von Multiplikatoren als auch die daran anschließende Weiterbildung von Tagespflegepersonen durch die Multiplikatoren wurden im Rahmen dieses Projektes evaluiert.

Das Projekt wurde im Jahr 2009 fortgesetzt, um eine weitere Begleitung der Multiplikatorinnen zu gewährleisten. Die Projektmitarbeiterin fungierte in dieser Phase als Ansprechpartnerin und Vermittlerin bei Anfragen für Referentinnen im Setting Tagespflege. Des Weiteren erfolgten weitere Fortbildungs- bzw. Reflexionstreffen für die Multiplikatorinnen sowie die Evaluation der Inhalte und Methoden der Fortbildungsmaßnahme durch Auswertung von Fragebögen. Den Schwerpunkt dieser Projektphase bildete die Erstellung eines Fortbildungshandbuches „Entwicklungsförderung durch Bewegung“, das zukünftig, aufbauend auf der DJI-Grundqualifikation, als Möglichkeit für eine Weiterqualifizierung in der Tagespflege Verwendung finden soll.

Das Curriculum hat zum Ziel, die Fortbildungen in ihrer Qualität zu standardisieren und einheitliche Bedingungen zu schaffen. Es ist inhaltlich in fünf einzelne Module mit verschiedenen Themenschwerpunkten gegliedert, die jeweils als Tagesfortbildung belegt werden können. Somit ist es für die Tagespflegepersonen möglich, flexibel zu agieren und sich die einzelnen Termine zusammenzustellen bzw. Institutionen auszuwählen (Familienbildungsstätten, Kinder- und Familienservicebüros, Tagesmütterverein) und einzelne Komponenten als Tagesfortbildung zu buchen. Die Module können getrennt, aber auch als fortlaufende Weiterqualifizierungsmaßnahme angeboten werden. Jedes Modul umfasst acht Fortbildungsstunden (Unterrichtseinheiten). Die Weiterqualifizierung im Bereich Bewegung ist somit auf 40 Unterrichtseinheiten (5 x 8 Unterrichtsstunden) ausgelegt.

Module

  1. Körpererfahrungen als Grundlage von Selbstbildungsprozessen
  2. Wahrnehmungsförderung in der frühen Kindheit
  3. „Bewegte“ Räume und „bewegendes“ Material in der Tagespflege
  4. Spielerische Bewegungsangebote für unterschiedliche Förderperspektiven
  5. Bewegungsbeobachtung

Neben einer theoretischen Einführung, in der der Stellenwert von Bewegung für Kinder in den ersten Jahren herausgestellt sowie grundlegende Aspekte der motorischen Entwicklung von 0 bis 3 Jahren dargelegt werden, folgt ein anwendungsorientierter Teil, in dem zunächst kurz das jeweilige Modulthema theoretisch eingeführt und anschließend als Fortbildungseinheit exemplarisch vorgestellt wird. Des Weiteren sind viele Literatur- und Praxisempfehlungen in den einzelnen Modulen zu finden.

Die Weiterqualifizierung von Tagespflegepersonen wird derzeit von einem Teil der Multiplikatorinnen des Projektes weiterhin durchgeführt. Da jedoch eine überregionale Verbreitung angestrebt wird, sollen weiterhin Bewegungstherapeut/innen, Sportlehrer/innen oder Motopäd/innen, die über Erfahrungen im Elementarbereich verfügen, die Fortbildungen für Tagespflegepersonen übernehmen.

 

Fazit

Das Projekt ist im Hinblick auf die Möglichkeiten der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren als positiv zu bewerten. Die fortwährende Nachfrage an Referentinnen für Maßnahmen in der Weiterbildung von Tagespflegepersonen auf der einen Seite und die zunehmende Anzahl von Kindern unter 3 Jahren in außerfamiliären Betreuungen auf der anderen Seite verdeutlichten den Bedarf, aber auch die Lücke im Bereich der Weiterqualifizierung von Tagespflegepersonen.

Das Modellprojekt konnte erfolgreich an diesen Punkt anknüpfen, indem zum einen 21 Multiplikatorinnen speziell für die Weiterbildung von Tagespflegepersonen zum Thema „Bewegungsförderung von Kindern unter 3 Jahren“ ausgebildet wurden, die weiterhin als Referentinnen zu dieser Thematik zur Verfügung stehen. Zum anderen stellt das Curriculum ein geeignetes Instrument dar zur Förderung einer einheitlichen Weiterqualifizierung, so dass die bestehende Lücke ein wenig geschlossen werden kann. Sowohl qualitativ als auch quantitativ kann dadurch die Betreuung im nichtinstitutionalisierten Setting wie dem der Tagespflege erweitert, standardisiert und verbessert werden.

Bewegungsorientierte Entwicklungsförderung

Bewegungsorientierte Entwicklungsförderung

Projektleitung:

  • Prof. Dr. Renate Zimmer

 

Projektmitarbeiterinnen:

  • M.A. Sportwiss. Mareike Sandhaus (Uni Osnabrück Institut für Sport und
    Bewegungswissenschaften – Drittmittelprojekt)
  • Dipl. Reha.Päd. Nadine Madeira Firmino(nifbe)
  • Dipl. Reha.-Päd. Ricarda Menke (Uni Osnabrück Institut für Sport und
    Bewegungswissenschaften – Drittmittelprojekt)

Dokumentation:

  •  M.A. Nadine Vieker(nifbe)

 

Im Rahmen des Forschungsschwerpunktes der frühkindlichen Bewegungsentwicklung bietet die Forschungsstelle Bewegung und Psychomotorik das Angebot der bewegungsorientierten Entwicklungsförderung an. Zielgruppe bilden Kinder mit und ohne Entwicklungsbeeinträchtigungen im Alter von 12 bis 42 Monaten, welche gemeinsam mit ihren Eltern an dem Angebot teilnehmen können.

Die aufgebauten Bewegungslandschaften regen die Kinder dazu an, sich aktiv und sinnlich mit ihrer Umgebung auseinanderzusetzen. Zur Entfaltung ihrer Entwicklungspotenziale, welche über die motorischen Kompetenzen hinausgehen, benötigen die Kinder eine feinfühlige Begleitung durch erwachsene Bezugspersonen. Jene nehmen die Rolle des aktiven Begleiters ein, ohne Spiel- und Bewegungsverläufe vorzugeben. Durch das Bereitstellen einer anregenden Umgebung wird den Kindern die Gelegenheit gegeben, ihr eigenes selbständiges Handeln und produktives Problemlösen zu ermöglichen bzw. umzusetzen. Neben körperlich-motorischen und sinnlichen Prozessen steht die Förderung der sozial-emotionalen Entwicklung sowie der Sprachwerb im Vordergrund.

Die „Mini“- Gruppen finden montags in der Zeit von 14:30-15:15 und 15:15-16:00 statt.
 

LOSlesen – Leseförderung von Anfang an

LOSlesen – Leseförderung von Anfang an

Projektleitung / -partner

  • Landkreis Osnabrück Fachbereich Kultur (Stadtbibliotheken)
  • nifbe und Universität Osnabrück, Fachgebiet Sportwissenschaft Prof. Dr. Renate Zimmer

Projektmitarbeiterinnen:

  • Dipl. Mot. Fiona Martzy
  • Dipl. Reha-Päd. Ricarda Menke (Uni Osnabrück Institut für Sport und
    Bewegungswissenschaften – Drittmittelprojekt)
  • M.A. Nadine Vieker (Dokumentation)

 

Hintergrund

Verschiedene Studien zeigen auf, dass Kindern heutzutage immer weniger vorgelesen und der intensive Umgang mit dem Buch nur in wenigen Familien gepflegt wird. Dabei haben das Vorlesen und insbesondere das Erzählen von Geschichten, das Singen von Liedern und das Reimen von Versen Auswirkungen auf die sprachliche und kognitive Entwicklung, auch die spätere Lesefähigkeit wird durch einen frühzeitigen Umgang mit dem Buch unterstützt. Neben diesen Entwicklungsbereichen kommt der Eltern-Kind-Beziehung eine besondere Bedeutung zu. Beim gemeinsamen Vorlesen ist der Kontakt zwischen Eltern und Kind sehr eng, wodurch die Möglichkeit für ein intensives Miteinander gegeben wird. Um den Eltern die Bedeutung des Buches und des Vorlesens wieder näher bringen zu können, ist das Projekt „Loslesen – Leseförderung von Anfang an“ in Zusammenarbeit mit den Bibliotheken des Stadt- und Landkreises Osnabrück unter Begleitung der Beratungsstelle für öffentliche Bibliotheken Weser-Ems, den ansässigen Kinderärzten und dem nifbe im Sommer 2008 entstanden.

Die Projektinitiative ging von der Kinder- und Jugendbibliothek aus. Anliegen der Bibliothek war der Wunsch nach einer wissenschaftlichen Begleitung des Projektes „LOSlesen“ durch das nifbe bzw. die Universität. Der Kontakt zu den Eltern wurde über die Osnabrücker Kinderärzte hergestellt. Während der U-6-Untersuchung wurden/werden die Eltern/Familien über die Bedeutung des Vorlesens aufgeklärt und zu der Teilnahme an dem Projekt motiviert.

Seit November 2008 finden Bücherbabytreffs statt, mit dem Ziel, Kinder ab dem Alter von einem Jahr in ihrer Entwicklung zu fördern und den Spaß am Umgang mit dem Buch zu vermitteln. Die Bücherbabytreffs werden von pädagogischen Fachkräften geleitet und setzen sich aus verschiedenen Sequenzen zusammen (z. B. Bewegungslieder, Vorlesen eines Buches, freie Lesezeit mit den Eltern). An den verschiedenen Standorten in der Stadt und im Landkreis Osnabrück sind die Bücherbabytreffs unterschiedlich organisiert. So finden die Gruppen teilweise wöchentlich, teilweise alle 14 Tage statt. Auch die Gruppenstruktur ist unterschiedlich: Es gibt sowohl Gruppen mit festen Teilnehmern als auch sehr offene Angebote, bei denen in jeder Stunde andere Kinder und Eltern teilnehmen. In der Regel dauert der Bücherbabytreff 45 Minuten.

Aufgabe der Forschungsstelle Bewegung und Psychomotorik war es zunächst, eine Verbindung zwischen den Bereichen Bewegung und Lesen zu schaffen. Unter dem Schwerpunkt „mit allen Sinnen Lesen“ wurde schnell deutlich, dass Vorlesen nicht nur mit Sprache, Kognition und sozial-emotionalen Aspekten, sondern auch mit kleinräumigen Nachahmungsbewegungen und Ganzkörperbewegungen sowie mit allen Sinnesbereichen (taktil, visuell, auditiv etc.) in Verbindung steht.

Die Zusammenarbeit bestand zunächst aus einer Beratung in der Buchauswahl und der Unterstützung bei der Herausarbeitung von Projektzielen seitens der Bibliothek sowie einer beobachtenden Begleitung. Beobachtungsschwerpunkte (Bewegung, Wahrnehmung, Sprache, soziale Interaktion und sozial-emotionales Verhalten) wurden definiert, um die Forschungsinteressen der Forschungsstelle Wahrnehmung, Bewegung, Psychomotorik auch in einem Projekt, bei dem das Lesen im Vordergrund steht, vertreten zu können.
Evaluationsbericht

Geschichten bewegen – neue Wege einer lebendigen Erzählkultur in Bibliotheken

Geschichten bewegen – neue Wege einer lebendigen Erzählkultur in Bibliotheken

„Geschichten bewegen“ wäre in zwei Lesarten zu verstehen: Kinder können einerseits mit ihrem schöpferischen Potential aktiv Bewegung in Geschichten bringen und lassen sich andererseits innerlich wie äußerlich durch Geschichten bewegen. Das wäre im Sinne der Psychomotorik mit vielfältigen Wahrnehmungs- und Ausdruckformen verbunden und ein wichtiger Beitrag zu einer ganzheitlichen Sprach- und Entwicklungsförderung mit Geschichten durch Bewegung in Bibliotheken. In der klassischen Vorlesesituation, in der Kinder in Bibliotheken mit Geschichten bislang meistens in Kontakt kommen, werden solche methodischen Überlegungen oft nicht gezielt, kaum oder nur ansatzweise mit einbezogen.