Förderung sprachlicher Kompetenzen von Kindern durch bewegungsorientierte Maßnahmen

Förderung sprachlicher Kompetenzen von Kindern durch bewegungsorientierte Maßnahmen

Projektleitung:

  • Prof. Dr. Renate Zimmer

Projektmitarbeiterinnen:

  • Dipl. Psych. Christine Gerhards (Uni Osnabrück)
  • M.A. Carmen Huser (nifbe)
  • Dipl. Reha.Päd. Nadine Madeira Firmino (nifbe)
  • Dipl. Reha.-Päd. Ricarda Menke (Uni Osnabrück Institut für Sport und
    Bewegungswissenschaften – Drittmittelprojekt)
  • Dipl. Psych. Brigitte Ruploh (nifbe)

 

Projektgruppen und Inhalte

Am Projekt „Förderung sprachlicher Kompetenzen von Kindern durch bewegungsorientierte Maßnahmen“, das im Fachgebiet Sportwissenschaft der Universität Osnabrück (Arbeitsgruppe Prof. Dr. Renate Zimmer) durchgeführt wurde, nahmen rund 50 Kindergärten aus der Stadt und dem Großraum Osnabrück teil. Es wurde vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen gefördert. Zielgruppe waren sowohl Kinder im Alter von 3-6 Jahren als auch Kinder im Krippenalter. Das Projekt endete im Herbst 2011.

Insgesamt beteiligten sich ca. 100 Erzieherinnen aktiv am Projekt. Sie nahmen regelmäßig an themenspezifischen Fortbildungen teil, die von den Projektmitarbeiterinnen im Sportzentrum der Universität Osnabrück angeboten wurden. Hier wurden Fachkompetenzen in Bezug auf das Thema „Sprachförderung durch Bewegung“ aufgebaut und erweitert sowie die praktische Umsetzung der Inhalte in den Einrichtungen reflektiert. Es wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie einzelne Bereiche der Sprachentwicklung in Bewegungsanlässen unterstützt werden können. Theoretische Hintergründe wurden vertieft sowie Praxisideen gemeinsam erprobt.

Die Evaluation der Fortbildung durch die ProjektteilnehmerInnen zeigte, dass die Fortbildungsinhalte als wichtig für die pädagogische Arbeit eingestuft wurden und gut im Kindergartenalltag umzusetzen seien.

Im Projekt wurde auch in einem Schwerpunkt besonders die Zielgruppe der Kinder unter drei Jahren berücksichtigt. Hier wurden neben der Qualifizierung der Erzieherinnen auch die Eltern und Familien der Kinder intensiv eingebunden. Es fanden Elternnachmittage bzw. -abende in Fortbildungsform statt, an denen die Sprachentwicklung und die Bedeutsamkeit der Sprache herausgestellt wurden. Außerdem konnten Inhalte praktisch erlebt werden, sodass die Eltern für ihre bedeutsame Rolle als Sprachvorbild sensibilisiert wurden, und Anregungen aus der Sprachförderung auch zu Hause im Familienalltag aufgegriffen werden können.

 

Wissenschaftliche Begleitung

Das Projekt wurde in den Kindertageseinrichtungen und Krippen während des gesamten Projektzeitraumes in unterschiedlichen Formen wissenschaftlich begleitet:

  • In 20 Kindergärten wurden im Rahmen eines Intervention-Kontrollgruppen-Designs mit Prä- und Posttest der sprachliche und motorische Entwicklungsstand von 380 Kindern erhoben, um die Wirksamkeit der umgesetzten Förderung zu überprüfen. Als standardisierte Testverfahren wurden hierzu der SETK 3-5 (Grimm, 2001) und der MOT 4-6 (Zimmer & Volkamer, 1987) eingesetzt. In 21 Krippen wurde ebenfalls in diesem Design der Sprachentwicklungsstand der Kinder zu Beginn und Ende des Projektzeitraumes anhand des SETK 2 (Grimm, 2000) erfasst. Zudem wurden die Eltern mittels eines Elternfragebogens (ELFRA-2; Grimm & Doil, 2001) zur Entwicklung ihrer Kinder befragt. Um neben einer Zwischenevaluation auch das Expertenwissen der Erzieherinnen mit in die Konzeptoptimierung einzubeziehen, wurden qualitative Interviews mit ausgewählten Erzieherinnen durchgeführt. Momentan werden die erhobenen Daten statistisch ausgewertet und in einem Forschungsbericht zusammengefasst. Erste Ergebnisse können dem zum Download zur Verfügung gestellten Abschlussbericht entnommen werden.
  • Zusätzlich beobachteten die Erzieherinnen aller Kindergärten die Sprachentwicklung der Kinder mit Hilfe der Beobachtungsbögen seldak und sismik (Ulich & Mayr, 2006), um qualitative Daten über alle Bereiche der Sprachentwicklung zu erhalten. Die bisherige Auswertung der Daten zeigt hier positive Tendenzen in der Verbesserung der Sprachentwicklung für die Interventionsgruppe.

 

Praktische Begleitung

Während des gesamten Projektzeitraums standen den Kindertageseinrichtungen feste Ansprechpartnerinnen aus dem Projektteam bei Fragen, Problemen oder Anregungen zur Verfügung. Begleitende Besuche und Gespräche z.B. über Erhebungen zur sprachlichen und motorischen Entwicklung der Kinder oder die praktische Umsetzung der Sprachförderung durch Bewegung ergänzten die Kooperation zwischen den Erzieherinnen und den Projektmitarbeiterinnen. Diese enge Zusammenarbeit wurde von den Teilnehmerinnen als sehr positiv wahrgenommen.

 

Nachhaltigkeit

Nach Angaben der ProjektteilnehmerInnen wurden die Inhalte der Fortbildung „Bewegte Sprache“ an die Teams der jeweiligen Kindergärten weitergegeben und werden auch weiterhin in den Kindertageseinrichtungen durchgeführt. Zum Einen beobachten die Erzieherinnen an sich selbst einen bewussteren Umgang und einen sensibleren Einsatz von Sprache in den Interaktionen mit den Kindern, zum Anderen nutzen sie den gesamten Kindergartenalltag, um Sprache in Spiel- und Bewegungssituationen zu fördern. Ein weiteres Interesse an möglichen Folgeprojekten und eine hohe Fortbildungsbereitschaft zeichnet die Projektgruppe aus. Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten werden von den Erzieherinnen als eine wichtige Komponente für eine gelingende Sprachbildung eingeschätzt. Zurzeit finden Überlegungen statt, wie die Fortbildungs- und Projektinhalte auf weitere Teile Niedersachsens ausgeweitet werden können.

 

Literatur

  • Grimm, H. (2001). SETK 3-5: Sprachentwicklungstest für drei- bis fünfjährige Kinder. Diagnose von Sprachverarbeitungsfähigkeiten und auditiven Gedächtnisleistungen. Göttingen: Hogrefe.
  • Grimm, H. (2000). SETK-2: Sprachentwicklungstest für zweijährige Kinder. Diagnose rezeptiver und produktiver Sprachverarbeitungsfähigkeiten. Göttingen: Hogrefe.
  • Grimm, H. & Doil, H. (2000). ELFRA. Elternfragebögen für die Früherkennung von Risikokindern. (ELFRA-1, ELFRA-2). Göttingen: Hogrefe.
  • Ulich, M. & Mayr, T. (2006). Seldak. Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwach-senden Kindern (Beobachtungsbogen und Begleitheft). Freiburg: Herder.
  • Ulich, M. & Mayr, T. (2003). Sismik. Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen (Beobachtungsbogen und Begleitheft). Freiburg: Herder.
  • Zimmer, R. (2009). Handbuch Sprachförderung durch Bewegung. Freiburg: Herder.
  • Zimmer, R. & Volkamer, M. (1987). Motoriktest für vier- bis sechsjährige Kinder (MOT 4 – 6). Göttingen: Hogrefe