Auf die ersten Jahre kommt es an

"Auf die ersten Jahre kommt es an" (21.12.2007): Ministerpräsident Christian Wulff eröffnet Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (NIFBE) an der Universität Osnabrück

Ministerpräsident Christian Wulff eröffnet Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (NIFBE) an der Universität Osnabrück

»In den ersten Lebensjahren werden die entscheidenden Grundlagen für die Bildungs– und Entwicklungschancen eines Kindes gelegt. Um die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern bestmöglich zu unterstützen, haben wir jetzt das „Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung“ (NIFBE) an der Universität Osnabrück gegründet«, erklärte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff am Freitag (21.12.) bei der Eröffnung im Osnabrücker Schloss: »Unser Ziel ist es, dass die Ergebnisse möglichst umgehend bei jenen spürbar werden, auf die es uns ankommt – bei den Kindern und ihren Eltern – denn auf die ersten Jahre kommt es an.«
»Für die wichtige Aufgabe der frühkindlichen Bildung und Entwicklung stellt das Land Niedersachsen ab 2008 jährlich 5,5 Millionen Euro zur Verfügung. 3,1 Millionen Euro entfallen dabei auf die Förderung des NIFBE und 2,4 Millionen stehen für Modellprojekte zur Verfügung«, sagte Wissenschaftsminister Lutz Stratmann bei der Eröffnung.
»Frühkindliche Entwicklung kann als „Selbstbildung“ aufgefasst werden, die geprägt ist durch die aktive sinnliche Aneignung der Welt und die eingebettet ist in die soziale Interaktion des Kindes mit seiner Umwelt«, so Prof. Dr. Renate Zimmer, Vorsitzende des NIFBE, in ihrem Vortrag. »Entwicklungsförderung bedeutet in diesem Zusammenhang, das Selbstbildungspotential der Kinder zu unterstützen und durch anregende Begleitung durch den Erwachsenen das Interesse an der Welt wach zu halten und ihrer forschenden Neugier entgegen zu kommen.« Viele Fragen gilt es dabei zu beantworten: Wie lernen Kinder und wie können sie bestmöglich bei der Entwicklung von sozialen, kognitiven oder kreativen Kompetenzen unterstützt werden? Und: Welche interdisziplinären Wechselwirkungen sind dabei zu beachten, beispielsweise zwischen Bewegung, Ernährung und der Sprachentwicklung?
»Das neu gegründete Institut schafft die bundesweit einmalige Chance, alle an Bildungsprozessen von Kindern Beteiligten in Forschungs– und Transferprojekten zusammenzubringen«, so Zimmer. Die Zusammenarbeit soll insbesondere durch Projekte, Arbeitsgruppen und Fachtagungen gefördert werden. Wie Vorstandsmitglied Dr. Johannes Hartkemeyer weiter erläuterte, wird der Transfer nach dem »Gegenstromprinzip« realisiert. »Sowohl die Ergebnisse aus der Forschung sollen schnell in die Praxis einfließen wie auch die Erkenntnisse aus der Praxis in die Forschung.«
Das NIFBE wird als eingetragener Verein ein Institut an der Universität und mit dieser personell und institutionell verbunden sein. »Die Universität Osnabrück bietet mit ihren bereits hervorragend entwickelten Forschungsschwerpunkten die besten Voraussetzungen, um dieses ambitionierte Vorhaben zu unterstützen und mitzuentwickeln«, so Universitätspräsident Prof. Dr.–Ing. Claus Rollinger. In der Forschung soll das NIFBE zunächst fünf Schwerpunkte vorantreiben: Lernen und Wissenserwerb, Kultur und Entwicklung (Prof. Dr. Heidi Keller), Bewegung, Wahrnehmung und Psychomotorik (Prof. Dr. Renate Zimmer), Begabungsförderung (Prof. Dr. Claudia Solzbacher, Prof. Dr. Julius Kuhl) und Frühpädagogik. Unterstützt wird die Forschungsarbeit durch einen landesweiten Forschungsverbund, für den sich Universitäten und Fachhochschulen mit Projekten bewerben konnten. 38 Projektskizzen wurden eingereicht, die nun durch die Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen begutachtet werden.
Um die Anwendung der Forschungsergebnisse in der Aus– und Weiterbildung und somit den Transfer in die Praxis der Eltern– und Familienbildung sowie der Kindergärten, Kindertagesstätten sowie schulischen Einrichtungen in Niedersachsen zu ermöglichen, wird das NIFBE durch regionale Zentren in Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück unterstützt. Zimmer: »In diesem Netzwerk sind alle relevanten Akteure von der Praxis über die Aus– und Weiterbildung bis hin zur Lehre und Forschung gebündelt. Dies fördert den interdisziplinären Fachdialog und sichert auch einen schnellen und nachhaltigen Transfer der Forschungsergebnisse in den Bildungsalltag.«

Dr. Utz Lederbogen, Universität Osnabrück,
Stabsstelle Presse– und Öffentlichkeitsarbeit